Wolfgang Amadeus Mozart/Richard Strauss

Oboe Concerto in C K 314/Oboe Concerto in D TrV 292

Cristina Gómez Godoy, West-Eastern Divan Orchestra, Ltg. Daniel Barenboim

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Warner Classics
erschienen in: das Orchester 7-8/2022 , Seite 66

Sowohl wenn es um das Reper­toire von Instrumentalsolist:innen als auch um die Zusam­men­stel­lung von Auf­nah­men zur Veröf­fentlichung geht, ist bei der Auswahl der Komponist:innen, deren Werke her­aus­gestellt wer­den, sehr wohlüber­legt vorzuge­hen und eine schlüs­sige Kom­bi­na­tion zu wählen. Die Oboistin Cristi­na Gómez Godoy hat sich für ihre mit dem West-East­ern Divan Orches­tra unter Leitung von Daniel Baren­boim im Juli und August 2019 einge­spielte CD für Wolf­gang Amadeus Mozart und Richard Strauss entsch­ieden. Bei­de haben ja neben ihren Opern, Sin­fonien oder Sin­fonis­chen Dich­tun­gen auch eben­so bedeu­tende Solokonz­erte hin­ter­lassen, sowohl für Klavier als auch für Stre­ichin­stru­mente, etwas weniger für Blasin­stru­mente, wobei die Oboe eine Ausnahme­erscheinung blieb.
Mozart hat nur ein Oboenkonz­ert geschrieben, und zwar im Som­mer 1777 in Salzburg für den Solo-Obois­t­en Giuseppe Fer­lendis in der Hofkapelle des Fürst­bischofs. Später, während der fünf in Mannheim ver­bracht­en Monate, schenk­te er die Par­ti­tur dem dor­ti­gen Obois­t­en Friedrich Ramm, der sie auch mehr­fach spielte. Hier sei neben­bei anek­do­tisch bemerkt, dass es 1778 zu einem Skan­dal kam, weil der reiche Ama­teur­flötist Fer­di­nand Dejean in einem von ihm bei Mozart bestell­ten Auf­tragswerk das für sein Instru­ment neu arrang­ierte Oboenkonz­ert erkan­nte und sich weigerte, das vere­in­barte Hon­o­rar in voller Höhe zu zahlen.
Cristi­na Gómez Godoy steigt aus der mit sat­tem Klang gespiel­ten Orch­esterein­leitung des Kopf­satzes Alle­gro aper­to ele­gant mit edlem Oboen­ton her­vor. Im Fol­gen­den fällt ihre sehr gekon­nt einge­set­zte Vari­a­tion der Volu­mi­na auf. Das Ada­gio non trop­po stat­tet Gómez Godoy mit großer Ruhe aus. Keck und zügig geht es in das Ron­do: Alle­gret­to, das in ide­al­er Weise den Geist des Rokoko atmet, insofern zeit­typ­isch für den damals 21-jähri­gen Komponisten.
Hat Mozart sein Oboenkonz­ert gle­ich­sam am Anfang sein­er Reifezeit geschaf­fen, so ist die Kom­po­si­tion von Richard Strauss ein Spätwerk aus dem Jahr 1945, in enger zeitlich­er Nach­barschaft der Meta­mor­pho­sen ent­standen. In sein­er Garmis­ch­er Vil­la hat­te der vom Krieg schock­ierte Meis­ter gele­gentlich amerikanis­che Offiziere zu Gast, darunter John de Lan­cie, im zivilen Leben Solo-Oboist im Pitts­burgh Sym­pho­ny Orches­tra. Für ihn schrieb Strauss nach langem Bit­ten dieses Stück aus drei nahezu gle­ich­langen Sätzen.
Aus einem knap­pen Oboen­mo­tiv, in tief­er­en Lagen des Orch­esters reflek­tiert, entwick­elt sich ein faszinieren­des Alle­gro. Gómez Godoy jongliert ihre Ein­sätze sou­verän neben und über der Strauss’schen Orch­ester­land­schaft. Das lied­hafte Andante gestal­tet sie mit großem Atem zum High­light der CD. Ein einziges tieftöniges Pizzi­ca­to gibt den Startschuss zum meist tänz­erischen Vivace, das jedoch im Mit­tel­teil mit weitschweifigem Melos aufwartet.
Diese CD fügt den Auf­nah­men des West-East­ern Divan Orches­tra eine neue Posi­tion von beachtlichem Reper­toirew­ert hinzu.
Gün­ter Buhles