Werke von Bent Sørensen, Pelle Gudmundsen-Holmgreen, Sunleif Rasmussen und anderen

Nordic Sound

Tribute to Axel Borup-Jørgensen. Michala Petri (Blockflöte), Lapland Chamber Orchestra, Ltg. Clemens Schuldt

Rubrik: CDs
Verlag/Label: OUR Recordings 6.220613
erschienen in: das Orchester 02/2016 , Seite 74

Der Bezug zum vokalk­lang­na­hen Natur­reper­toire ist ein grund­sät­zlich­es Charak­ter­is­tikum zeit­genös­sis­ch­er skan­di­navis­ch­er Musik, die vor­wiegend von den Inseln des Archipels ihren Aus­gang nahm. Daher ver­wun­dert es nicht, dass auch bei ein­er so abwech­slungsre­ichen Kom­pi­la­tion in den neuesten Werken leben­der dänis­chsprachiger Kom­pon­is­ten Imi­ta­tio­nen von Vogel­stim­men vorkom­men, wenn sie diese wie im Falle von Bent Sørensen nicht gar zum Gegen­stand haben.
Micha­la Petris gemein­sames Pro­jekt mit Clemens Schuldt als jungem Aus­nahmediri­gen­ten und dem Lap­pländis­chen Kam­merorch­ester, das ger­ade für ein Reper­toire mit der Pause als Klang- und Bedeu­tungsträger beson­ders geeignet erscheint, ist dem Andenken an die inspi­ra­tive Per­sön­lichkeit Axel Borup-Jør­gensens gewid­met. Um charis­ma­tisch auf die Beiträger dieser Auf­nahme, die nicht seine direk­ten Schüler waren, einzuwirken, bedurfte es nicht zwin­gend ein­er akademis­chen Lauf­bahn. Der Pianist, der an der Entwick­lung eines „nordis­chen Sounds“ arbeit­ete, gle­ichzeit­ig poet­isch dachte, aber eine ein­fache, pointil­lis­tis­che Satzweise prak­tizierte, bildete sich näm­lich ger­ade auf kom­pos­i­torischem Gebi­et auto­di­dak­tisch. Da es sich um eine Hom­mage han­delt, endet das CD-Pro­jekt ein­er Kadenz gle­ichend mit Som­masvit, einem frühen Werk Axel Borup-Jør­gensens für Stre­ich­er, dessen in Musik gegossene Naturszene­r­ien hier äußerst sub­til und ein­fühlsam wiedergegeben werden.
Expliziter noch an The­men von nordis­ch­er Land­schaft ist eine Gen­er­a­tion später Bent Sørensen ori­en­tiert, allerd­ings bezieht sich sein Beitrag direkt auf den geehrten Kom­pon­is­ten. Whis­per­ing kennze­ich­net die san­fte Art seines Sprechens, das einem Flüstern nahe kam. Die Flöte ist für ein solch ungewöhn­lich­es Porträt das geeignete Leitin­stru­ment. Die feinen spiel­tech­nis­chen und dynamis­chen Nuan­cen, die hier ver­langt wer­den, stellen für Micha­la Petri eine reizvolle Auf­gabe dar, die sie mit großer Präzi­sion und Aus­drucksstärke real­isiert. Den­noch wirkt die nur zehn Minuten dauernde Kom­po­si­tion etwas zusammengestückt.
Bei Win­ter Echoes aus der Werk­statt des färöis­chen Cross-over-Kün­stlers Sun­leif Ras­mussen bleibt zwar die ursprüngliche Aus­rich­tung am poly­fo­nen Kirchen­chor und an mit­te­lal­ter­lichen Bal­laden­tänzen spür­bar, doch tat­säch­lich bezieht sich das Stück für Flöte und 13 Stre­ich­er auf Borup-Jør­gensens Vor­liebe für Kun­sthandw­erk zum The­ma „Win­ter“.
Etwas aus der Rei­he fällt das Con­certi­no des Jazzmusik­ers und Arrangeurs Thomas Clausen: Es ist von den Wieder­hol­ungss­chema­ta barock­er Musik und Ver­satzstück­en aus pop­ulären Bach-Werken inspiri­ert, die häu­fi­gen Mod­u­la­tio­nen lassen an den Tonarten­wech­sel in ein­er Sonate um 1700 denken. Petris Ver­siertheit im Zusam­men­wirken mit dem Orch­ester kommt in den vier Sätzen beson­ders zum Tragen.
Dank der hohen Klan­gau­flö­sung des DXD-Audio-For­mats ergibt sich bei der Wieder­gabe der Auf­nahme aus dem Kul­turhaus zu Rovanie­mi eine hohe Präsen­zwirkung. Ger­ade im Falle der solis­tis­chen Stimme und beson­ders der Flöte glaubt der Hör­er selb­st im Konz­ert zu sitzen und die
Instru­men­tal­is­ten unmit­tel­bar vor und neben sich zu haben.
Hanns-Peter Mederer