Works for String Orchestra von Dag Wirén, Edvard Fliflet Bræin, Jean Sibelius und anderen

Nordic Dream

LGT Young Soloists, Ltg. Alexander Gilman

Rubrik: CDs
Verlag/Label: RCA Red Seal
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 68

Mit Bedacht wurde hier eine Auswahl skan­di­navis­ch­er roman­tis­ch­er Musik mit rein­er Stre­icherbe­set­zung getrof­fen, und zwar ein nicht nur feen­haft luftiges, heit­er beschwingtes, son­dern auch elegis­ches Pro­gramm. Der Auf­nah­me­ort, die wegen ihrer akustis­chen Eigen­schaften gefragte Jesus-Chris­tus-Kirche in Berlin-Dahlem, schien Koor­di­na­torin und Pianistin Mari­na Sel­tenre­ich und dem Vio­lin­vir­tu­osen Alexan­der Gilman, bei­de Begrün­der von LGT Young Soloists, aus guten Grün­den geeignet.
Zum einen kann der Raum vor dem Altar unter dem Steil­dach Klangfülle pro­jizieren, zum anderen gibt es viele Flächen mit stark reflek­tieren­den und absorbieren­den Eigen­schaften, die eine stim­mige Nach­hal­lzeit eben­so wie das charak­ter­is­tis­che Pro­fil jed­er einzel­nen Stimme garantieren. Wie Kurt Atter­bergs Mod­er­a­to-Satz aus sein­er Suite Nr. 3 zeigt, wer­den auch Pianopas­sagen weniger Ensem­ble-Instru­mente trennscharf abge­bildet. Bei den dynamisch stärk­eren Abschnit­ten ver­lieren die Stre­ichin­stru­mente ihre Leuchtkraft nicht, in den höheren Lagen gibt es kein­er­lei „schrille“ Töne zu hören.
Das Jugen­dorch­ester entsch­ied sich dafür, gut die Hälfte der vorgestell­ten Werke in Arrange­ments auf­zunehmen. Dabei gehen drei Bear­beitun­gen, näm­lich die von Griegs Sou­venir aus den Acht kurzen Stück­en op. 99 Nr. 3, von Edvard Fliflet Bræins Ser­e­nade für Bratsche mit Stre­i­chorch­ester und von Chris­t­ian Sind­ings Ser­e­nade op. 33 Nr. 4 für Harfe und Stre­ich­er, auf den ukrainisch-deutschen Klar­inet­tis­ten und beg­nade­ten Arrangeur Paul Struck zurück. Nur eine der hier vor­liegen­den Bear­beitun­gen, Sæter­jetens Søndag (Son­ntag der Schäferin) aus dem Melo­di­en­schatz des leg­endären Geigers Ole Bull, wurde von dessen jün­gerem Lands­mann Johan Svend­sen, der selb­st zunächst eine Kar­riere auf dem Instru­ment anstrebte, in eine Ver­sion für Vio­line und Stre­i­chorch­ester ver­wan­delt. Dabei wäre es natür­lich im Bere­ich des Möglichen gele­gen, ein kom­plettes Orig­i­nal­reper­toire für Stre­ich­er aus nordeu­ropäis­ch­er Musik zusam­men­zustellen – man denke nur an Pärts Sum­ma, das Andante fes­ti­vo von Sibelius oder Griegs Suite Aus Hol­bergs Zeit.
Dass sich die Pri­vat­bank LGT aus Vaduz in kul­turellen und sportlichen Bere­ichen engagiert und das von Gilman geleit­ete, per­fekt geschulte und aus­drucksvoll agierende Jugen­dorch­ester unter­hält, ist anerken­nenswert, zumal Ver­gle­ich­bares lange nicht bei allen Finanzkonz­er­nen selb­stver­ständlich ist. Die Unter­stützung des Musik­er­nach­wuch­ses beruht aber im Fall der Fürsten von Liecht­en­stein, dem Haupteign­er, auf ein­er his­torisch gewach­se­nen Verpflich­tung: Fürst Alois I. erhielt von Mozart eine Bläserser­e­nade, Fürstin Josepha fungierte als Mäzenin Joseph Haydns; im Gegen­zug schrieb der Pro­te­gierte für sie fünf Messen.
Bei der kom­pen­sierten, doch recht infor­ma­tiv­en Zusam­men­stel­lung der Book­let­texte ist ein klein­er Bildle­gen­den­fehler unter­laufen: Die Fotografie auf Seite 25 oben stellt Johan Halvors­en vor, nicht Johan Svend­sen.
Hanns-Peter Med­er­er