Ernst Toch/Wolfgang Fortner/Samuel Adler/Giselher Klebe

New Works for Cello solo

Friedemann Döling (Violoncello)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Tyxart
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 68

Friede­mann Döling, seit 1990 Solo­cel­list am Nation­althe­ater Mannheim, engagiert sich für kaum bekan­nte Werke und bringt Kom­po­si­tio­nen zur Auf­führung, die eine Verbindung zu sein­er Wahlheimat haben. Auf der hier vor­liegen­den Ein­spielung sind Werke für Vio­lon­cel­lo solo von Ernst Toch, Wolf­gang Fort­ner, Samuel Adler und Gisel­her Klebe zu hören.
Ernst Tochs (1887–1964) dreisätziges Impromp­tu op. 90c eröffnet die CD. Es ent­stand 1963 zum 60. Geburt­stag des bedeu­ten­den Cel­lis­ten Gre­gor Piatig­orsky. Der erste und dritte Satz sind durch langsame, aus­drucksstarke und kantable Melodiebö­gen geprägt, die den impro­visatorischen Ges­tus eines Impromp­tus auf­greifen. Sie umrah­men einen schnellen und heit­eren zweit­en Satz. Dieses Alle­gret­to grazioso kön­nte in der Inter­pre­ta­tion spritziger und kon­trastre­ich­er gestal­tet sein.Wolfgang Fort­ner (1907–1987) lehrte viele Jahre in Hei­del­berg, wo er 1932 auch die Suite für Vio­lon­cel­lo solo kom­ponierte. Sie gehört zu seinen frühen, tonalen Werken, in denen sich Fort­ner stilis­tisch und for­mal an musikalis­chen Tra­di­tio­nen ori­en­tiert. Die vier Sätze – Intro­duzione, Dan­za, Can­zone (Vari­azioni sopra una melo­dia anti­ca del Trova­tore francese) und Ron­do – bieten dem Cel­lis­ten die Möglichkeit, unter­schiedliche musikalis­che Aus­drucks­for­men zu gestalten.Samuel Adler, 1928 in Mannheim geboren, emi­gri­erte nach der Pogrom­nacht 1938 mit sein­er Fam­i­lie nach Ameri­ka und ist dort bis heute als Kom­pon­ist tätig. Zu sein­er Sonate schreibt er: „Die Sonate für Vio­lon­cel­lo solo ent­stand im Dezem­ber 1965, und ist dem her­aus­ra­gen­den amerikanis­chen Cel­lis­ten Lynn Har­rell gewid­met, der bere­its als Jugendlich­er Musik­the­o­rie bei mir studierte.“ In den fünf Sätzen wech­seln sich lyrische, majestätis­che, heit­ere und düstere sowie marsch-ähn­liche und rhyth­misch-pointierte Momente ab, die Friede­mann Döling in sein­er Inter­pre­ta­tion geschickt und kon­trastierend gegenübergestellt.Während Gisel­her Klebe (1925–2009) im Som­mer 1974 an einem Stück für den Cel­lis­ten André Navar­ra arbeit­ete, wur­den bei einem grausamen Bombe­nat­ten­tat in Bologna mehrere Men­schen ermordet. Klebe schrieb dazu: „Dieses […] Atten­tat bewegte mich sehr und ließ Form und Gestalt der Vio­lon­cel­lokom­po­si­tion entste­hen. Entschei­dend kristallisierten sich aus dem Namen ‚Bologna‘ die Töne b, g, a; sie zie­len auf die […] 6/8-Melodie des Andante cantabile hin und lassen dabei die in mehreren Schicht­en sich entwick­el­nde Zwölfton­struk­tur entste­hen.“ Die Trauer zeigt sich auch in der Wahl des Titels Nenia, was über­set­zt Klagege­sang bedeutet. Klebes Kom­po­si­tion hin­ter­lässt musikalisch und in der Inter­pre­ta­tion von Friede­mann Döling einen nach­halti­gen Ein­druck.
Anna Catha­ri­na Nim­czik