Bach, Johann Sebastian

New Oboe Sonatas

Ramón Ortega Quero (Oboe), Tamar Inbar (Oboe), Luise Buchberger (Barockvioloncello), Peter Koffler (Cembalo)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics 0300648BC
erschienen in: das Orchester 09/2015 , Seite 81

„Oboe satt“ gibt es auf der neuen CD des Meis­ter­obois­t­en Ramón Orte­ga Quero. Nach Shad­ows – Baroque Music und The Roman­tic Oboist (siehe Besprechun­gen in das Orch­ester 4/2011, S. 71, und 3/2013, S. 75) spielte der 26-jährige Spanier, Solo-Oboist im Sym­phonieorch­ester des Bay­erischen Rund­funks, erneut mit seinen barock­en Spiel­part­nern Buchberger/Koffler und sein­er Ehe­frau Tamar Inbar eine CD ein. Dieses Mal mit dem ver­fänglichen Titel Neue Oboen­sonat­en mit ins­ge­samt vier Bear­beitun­gen von Sonat­en von Johann Sebas­t­ian Bach, ein­gerichtet für eine bzw. zwei Oboen. Die Auf­nah­men wur­den im Jan­u­ar 2014 in der Sendlinger Him­melfahrt­skirche, die sich durch eine gute Akustik ausze­ich­net, gemacht.
Für Orte­ga Quero ist die Auf­nahme nach eige­nen Worten etwas ganz Beson­deres. „Es ist ein­fach die Musik.“ Die Stücke von Bach hät­ten ihn seit Langem begleit­et. Sie seien echte Meis­ter­w­erke und mit ganz beson­deren Momenten seines Lebens ver­bun­den. Oft gespielt und ans Herz gewach­sen, ent­stand in ihm „das drin­gende und nahe­liegende Bedürf­nis, sie aufzunehmen“.
Als Oboist ist der junge Spanier auf solche Bear­beitun­gen angewiesen, da Bach, obwohl er die Oboe sehr schätzte und sie von allen Blasin­stru­menten am häu­fig­sten ver­wen­dete, lei­der keine Sonat­en für Oboe kom­ponierte. Jedoch sind im Barock Instru­mente mit etwa dem­sel­ben Ton­um­fang – Vio­line, Flöte, Oboe – bekan­ntlich aus­tauschbar, sind teil­weise auch im Druck alter­na­tiv beset­zt; oder die Stim­men wur­den bere­its früh entsprechend entwed­er transponiert; oder es han­delt sich um eine echte Bear­beitung wie im Fall der vier­sätzi­gen Par­ti­ta (nicht Suite, wie im Book­let) c-Moll für Laute BWV 997, die Orte­ga Quero selb­st vorgenom­men hat und welche den Reigen mit Bach’scher Oboen­musik eröffnet. Da an Stelle der Flöte die klangüp­pige Oboe gerne als Alter­na­tivin­stru­ment ver­wen­det wurde, sind die bei­den Sonat­en in e-Moll BWV 1034 und jene für zwei Flöten, Vio­lon­cel­lo und Bas­so con­tin­uo BWV 1039 willkommene Werke auch für das Rohrblat­tin­stru­ment. Für die Oboe schw­er zu erre­ichende Töne ab e”’ oder f”’ wer­den dabei ein­fach nach unten oktaviert, um den sonoren Klang zu erhal­ten.
Bleibt zulet­zt noch die orig­i­nale und knappe 3. Sonate für Vio­la da gam­ba BWV 1029, deren ältere Bear­beitung für Flöte aus der Fed­er von Hen­rik Wiese stammt, die Ramón Orte­ga Quero wiederum auf sein Instru­ment übertrug und nun mit gewohnt sinnlichem und warmem Ton und überzeu­gen­der Tech­nik bläst. Fort ist nun das ver­hal­ten Intime, das beina­he Jen­seit­ige ver­we­hen­der Lau­t­en­töne, der unver­wech­sel­bare, zufrieden vor sich hin näsel­nde, trotz­dem selb­st­be­wusste Klang der Vio­la da gam­ba, der hauchige und gedeck­te Flö­ten­ton. Nun erfüllt bre­it­er, ober­ton­re­ich­er Bläser­sound den Raum und ver­mit­telt dem Hör­er das Gefühl, als ob die einzel­nen Sonat­en für die Oboe geschrieben wor­den wären: eine andere Klang­wirk­lichkeit und gewan­delte ästhetis­che Grund­hal­tung, die Bach gewiss gefall­en hätte.
Wern­er Boden­dorff