Ulrich Haider

Neue Wege im Instrumentalunterricht

Lehr- und Prüfungsverfahren asiatischer Kampfsportarten in der Musi

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: DVO Druck und Verlag Obermayer GmbH
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 58

Per­sön­liche Erfahrun­gen spie­len im Instru­men­talun­ter­richt eine dom­i­nante Rolle, beson­ders wenn es um didak­tis­che und method­is­che Über­legun­gen geht. Dies ist eine Vorge­hensweise, die auch noch in der heuti­gen Zeit, in der sich die Instru­men­talpäd­a­gogik ger­ade zu etablieren und emanzip­ieren begin­nt, Erfolg ver­spricht. Oft ist es auch nur auf diesem Weg möglich, auf aktuelle Gegeben­heit­en spon­tan zu reagieren und päd­a­gogis­che Über­legun­gen und Notwendigkeit­en zu erproben und möglicher­weise auch grundle­gend neu zu for­mulieren. Insofern ist dieses Buch mit seinem Anliegen als ein gelun­gener Ver­such zu sehen, didak­tisch-method­is­che Neuerun­gen auf der Grund­lage ein­er angedeuteten instru­men­talpäd­a­gogis­chen Begrün­dung anzure­gen.
Aus­gangspunkt sind hierzu die Erfahrun­gen sowie fundierte und kri­tisch reflek­tierte Beobach­tun­gen des Autors als Orch­ester­musik­er (Münch­n­er Phil­har­moniker), Instru­men­tallehrer (Horn) und ausüben­der Kampf­s­portler des kore­anis­chen Taek­won­do. Zwis­chen diesen, auf den ersten Blick sehr unter­schiedlich scheinen­den Tätigkeits­bere­ichen gibt es jedoch zahlre­iche Berührungspunk­te. Beispiel­sweise spielt die Art und Weise, wie mit Fehlern umge­gan­gen wird, in jedem dieser Bere­iche eine zen­trale Rolle (s. hierzu auch Silke Kruse-Weber [Hg.]: Exzel­lenz durch dif­feren­zierten Umgang mit Fehlern. Kreative Poten­ziale beim Musizieren und Unter­richt­en, Schott, Mainz 2012), genau­so, wie auch Prü­fun­gen (Auf­nah­meprü­fun­gen, Wet­tbe­werbe, Probe­spiele…) the­ma­tisiert und kri­tisch hin­ter­fragt wer­den.
Hin­ter der gängi­gen Prax­is im Bere­ich des pro­fes­sionellen Instru­men­tal­spiels und des Instru­men­talun­ter­richts im All­ge­meinen ver­ber­gen sich Gewohn­heit­en, die ver­meintlich der Steigerung der Leis­tungs­bere­itschaft bzw. -moti­va­tion dienen sollen. In diesem Zusam­men­hang kri­tisiert Haider die dur­chaus nachvol­lziehbare auss­chließliche Ori­en­tierung an ein­er sozialen und nicht etwa (wie vor allem beim Taek­won­do) an ein­er indi­vidu­ellen Bezugsnorm. Er stellt die Forderung nach ein­er Ori­en­tierung an per­sön­lichen Entwick­lungss­chrit­ten und hebt die beson­dere Bedeu­tung der indi­vidu­ellen Erfahrung (des Schülers) her­vor.
Selb­stver­ständlich sind dies keine neuen päd­a­gogis­chen Erken­nt­nisse, doch wer­den sie hier in einem neuen Kon­text dargestellt und überzeu­gend begrün­det. Dies gilt vor allem für die Vorschläge zu Probe­spie­len für Orch­ester­stellen und Auf­nah­meprü­fun­gen an Hochschulen. Dahin­ter ste­ht gle­ichzeit­ig auch ein instru­men­talpäd­a­gogis­ches Prinzip, das die Aus­bil­dung von zukün­fti­gen Instru­men­talpäd­a­gogen mitbes­tim­men kön­nte. Hierzu find­en sich in dieser erfahrung­sori­en­tierten Pub­lika­tion zwar noch keine Hin­weise und wis­senschaftlichen Begrün­dungsver­suche, doch darauf sind die hier für den Hor­nun­ter­richt im Mit­telpunkt ste­hen­den method­isch-didak­tis­chen „Basisübun­gen zum Spie­len, Hören und kreativ­en Musizieren“ auch nicht angewiesen.
Roma­ld Fis­ch­er