Manuel de Falla

Nächte in spanischen Gärten

Symphonische Impressionen für Klavier und Orchester, hg. von Ullrich Scheideler, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden
erschienen in: das Orchester 12/2019 , Seite 62

Der wahre Grund, warum dieses Werk geschrieben wurde, ist kein ander­er, als Orte, Stim­mungen und Gefühle zu evozieren“, so der Kom­pon­ist selb­st im Pro­grammheft der Uraufführung vom 9. April 1916, als er die Idee seines Werks mit dem viel­sagen­den Titel Nächte in spanis­chen Gärten zu charak­ter­isieren ver­suchte. Der Weg dor­thin war aber lang, wie Her­aus­ge­ber Ull­rich Schei­del­er im zweis­prachi­gen Vor­wort schreibt, der das vor­liegende Werk neu her­aus­gegeben hat. Es ent­stand in Zusam­me­nar­beit der bei­den Ver­lage Bre­itkopf & Härtel und G. Hen­le Ver­lag.
Manuel de Fal­la begann sein impres­sion­is­tis­ches Stück 1909, nach­dem er zwei Jahre zuvor aus sein­er Heimat­stadt Cádiz nach Paris übergesiedelt war. Er wollte dort mehr Aufmerk­samkeit erlan­gen und sich von den damals bekan­ntesten Künstler wie Claude Debussy, Mau­rice Rav­el und dem Lands­mann Issac Albéniz inspiri­eren lassen. Lange Zeit blieb das Werk auch ein­fach nur liegen, weil de Fal­la unter anderem die rel­a­tiv groß angelegte Beset­zung, die Anzahl der Sätze, die inhaltliche Konzep­tion verändert und sich außer­dem zwis­chen­durch mit anderen Kom­po­si­tio­nen beschäftigt hat­te.
So dachte de Fal­la für die nächtlichen Impres­sio­nen beispiel­sweise zunächst an Städte und weniger an Gärten. Auss­chlaggebend für die Gärten war wohl ein Buch mit dem Titel Jardins d’Espagna von San­ti­a­go Rusiñol, welch­es Abbil­dun­gen von 40 Bildern des Malers enthält, auf denen „in leuch­t­en­den Far­ben“, so der Her­aus­ge­ber weit­er, „Eindrücke der unver­gle­ich­lichen Schönheit spanis­ch­er Gärten mit ihren Brun­nen und Wegen, Blu­men und Bäumen ver­mit­telt wer­den, darunter auch von den Gärten der berühmten Alham­bra“. De Fal­la wählte für die Ecksätze sein­er Sym­phonis­chen Impres­sio­nen schließlich den Garten des Som­mer­palastes Gen­er­al­ife („En el Gen­er­al­ife“) und die Gärten des Berg­lands von Córdoba („En los jar­dines de la Sier­ra de Córdoba“) aus.
Her­aus­ge­ber Schei­del­er stand für sein Vorhaben bestes Mate­r­i­al zur Verfügung: frühe Skizzen de Fal­las; das in den Win­terthur­er Bib­lio­theken befind­liche Par­ti­tu­rauto­graf; eine Abschrift unbekan­nter Hand mit auto­grafen Ein­tra­gun­gen sowie die Erstaus­gabe sowohl der Par­ti­tur als auch der Stim­men von 1923. Und nicht zulet­zt existiert noch die Erstaus­gabe der Klavier­stimme und die Fas­sung für Solo-Klavier und Klavier zu vier Händen mit geringfügig ver­schiede­nen Lesarten.
Ihre Beschrei­bung und die Genese des ihm zur Verfügung gestell­ten Mate­ri­als mit seinen genauen Stan­dorten hat Schei­del­er im Kri­tis­chen Bericht fest­ge­hal­ten. Auch die notwendi­gen Änderungen zu Dynamik oder Phrasierung und Unstim­migkeit­en sind auf beina­he zweiein­halb Seit­en dort notiert. Vom For­mat her fällt die Par­ti­tur mit dieser großen, mit zwei- bis vier­fach beset­zten Bläsern, geteil­ten Stre­ich­ern, Schlag­w­erk, Harfe, Celes­ta in den wuseli­gen Tut­tis­tellen zeitweise lei­der etwas klein aus, wenn auch der Druck dafür gestochen scharf und son­st sehr gut zu lesen ist.
Wern­er Boden­dorff