Karl-Heinz Köper

Mytho-Logica

Drei skurrile Skizzen für Pauke und Orchester (1962), Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr, Köln
erschienen in: das Orchester 01/2020 , Seite 67

Krieg­steil­nahme und -gefan­gen­schaft, erst danach Abitur und Musik­studi­um – das Leben heutiger Kom­pon­is­ten ver­läuft anders als das des 1927 in Han­nover gebore­nen Karl-Heinz Köper. Nach dem Studi­um arbeit­ete Köper mehrere Jahre als Kapellmeis­ter an der Oper, bevor er sich als Kom­pon­ist mit eigen­em Ver­lag in Isern­hagen selb­st­ständig machte.
Sein Erfol­gsrezept war gehobene Unter­hal­tungsmusik, mit der er zu einem der meist­ge­spiel­ten Urhe­ber seines Gen­res in den 1960er- bis 1980er Jahren wurde. Dabei bedi­ente er vor allem die Unter­hal­tung­sor­ch­ester der Rund­funksender, die ihren Gefall­en an seinem speziellen Bal­anceakt zwis­chen E- und U-Musik fan­den. Nach seinem Tod 2011 nahm sich der Dohr-Ver­lag seines Gesamtwerks an und veröf­fentlicht nach und nach sämtliche bish­er im Selb­stver­lag erschiene­nen Kom­po­si­tio­nen in rev­i­dierten Neuaus­gaben.
Aktuell erschien eines von Köpers großen Erfol­gsstück­en, Mytho-Log­i­ca für Solopauke und Orch­ester, erhältlich auch in ein­er Ver­sion für Bla­sor­ch­ester. Diese musikalis­che Groteske beste­ht aus drei Sätzen, die jew­eils ein­er mythol­o­gis­chen Fig­ur der Antike gewid­met sind.
Die erste Tafel dieses Trip­ty­chons zeigt das Porträt des Höl­len­hun­des Cer­berus als Alle­gro bru­tale, in dem das wild hin und her sprin­gende The­ma der vier Pauken sich erst kurz vor Schluss beruhigt, um dann mit den let­zten Tönen doch noch ein­mal fest zuzubeißen. Orcus, dem Gott der Unter­welt, ist ein Ada­gio Mis­te­rioso gewid­met, das atmo­sphärisch geprägt wird durch Horn­quin­ten und Glis­san­di von Soloin­stru­ment und Stre­ich­ern, luftiges Gesäusel der Pic­coloflöte und Akko­rd­pen­del zwis­chen Pauke und Harfe. Jupiter Tonans, der Don­ner­gott, wird abschließend charak­ter­isiert in einem Alle­gro tem­pes­tu­oso, das angemessen energiege­laden daherge­braust kommt mit gesät­tigten Quin­ten und kräfti­gen Fan­faren, Anklän­gen von Film­musik und einem kräfti­gen Pauk­endon­ner am Schluss.
Meilen­weit ent­fer­nt von der zeit­gle­ich entste­hen­den musikalis­chen Avant­garde ist die Musik Köpers stets durch und durch tra­di­tionell, sie knüpft in jed­er Sekunde an die Erwartun­gen, Wün­sche und Möglichkeit­en der Inter­pre­ten an. Die Auf­tragge­ber sein­er Instru­mentalkonz­erte, die er gerne auch für ungewöhn­liche Instru­mente schrieb, kon­nten sich­er sein, bei über­schaubarem Arbeit­sein­satz eine effek­t­sichere und musikan­tis­che Lit­er­atur auf Leib und Instru­ment geschnei­dert zu bekom­men. Die Orch­ester­stim­men sind gle­ich­falls spiel­fre­undlich geschrieben, nicht über­trieben kom­plex und bere­its nach weni­gen Proben auf­führbere­it. Köper kul­tivierte in sein­er Musik ein ele­gantes kom­pos­i­torisches und kapellmeis­ter­lich­es Handw­erk, er flirtete unortho­dox und undog­ma­tisch mit der Musikgeschichte, bedi­ente sich hier und dort – und gelangte trotz­dem zu einem eige­nen Per­son­al­stil. Köper erken­nt man.
In Design und Architek­tur sind die 1960er- und 1970er Jahre derzeit wieder beson­ders en vogue, warum also nicht auch in der Musik mal einen Blick zurück­w­er­fen? Die Mytho-Log­i­ca bietet sich an, aber auch Köpers Tuba Tabu, das als sein vielle­icht berühmtestes Werk damals um die Welt ging.
Stephan Fro­l­eyks