Alexander Endreß/Hubert Wandjo (Hg.)

Musikwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung

Handbuch für Wissenschaft und Praxis

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Nomos
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 62

Ein Hand­buch, welch­es gle­icher­maßen für Wis­senschaft und Prax­is geeignet ist? Ein hoher Anspruch, zumal in der Musik­wirtschaft, welche durch die Dig­i­tal­isierung in weni­gen Jahren völ­lig umgekrem­pelt wurde. Um es vor­wegzunehmen: Den Her­aus­ge­bern ist gemein­sam mit zahlre­ichen ver­sierten Fachau­toren ein beachtlich­er Wurf gelun­gen. Prax­is­bezug und wis­senschaftlich­er Anspruch wur­den gut ausbalanciert.
Inhaltlich wer­den zwei große Abschnitte gebildet: Im ersten Teil geht es um den Makrostruk­tur­wan­del, um die Trans­for­ma­tion des Musik­mark­tes und sein­er Rah­menbe­din­gun­gen. Der zweite Abschnitt befasst sich mit den Mikrostruk­turen, also den Einzel­heit­en eines mod­er­nen oper­a­tiv­en Musik­man­age­ments. Stich­worte der Makrop­er­spek­tive sind u. a. die Verän­derun­gen des Ton­träger­mark­tes, der Struk­tur­wan­del in der Branche und Verän­derun­gen der Wertschöp­fungs­ket­ten. Aber auch Fra­gen von Aus- und Weit­er­bil­dung, öffentlich­er Förderung und poli­tis­ch­er Inter­essen­vertre­tung wer­den the­ma­tisiert, bis hin zu stark verän­derten rechtlichen Rah­menbe­din­gun­gen und Aspek­ten der dig­i­tal­en Popkultur.
Auch die Erlös­mod­elle haben sich mas­siv verän­dert, mit unter­schiedlichen Kon­se­quen­zen für Labels, Pro­duzen­ten, Ver­anstal­ter und Kün­stler. Die Fra­gen angemessen­er Abgel­tung dig­i­taler Musiknutzun­gen durch Labels und Stream­ing-Plat­tfor­men sowie faire Geschäftsmod­elle hier­für dürften die Beteiligten noch einige Zeit in Atem halten.
Im zweit­en Abschnitt geht es zudem in die Tiefen der Prax­is, u. a. um die Verän­derung der Musikpro­duk­tion durch dig­i­tale Aufze­ich­nung, Klang­ef­fek­te, Syn­the­siz­er und Sam­pling, um Stream­ing, die Dig­i­tal­isierung der Musikver­lage, Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften und Rechte­m­an­age­ment bis hin zur Musikver­mark­tung und Pro­mo­tion. Beson­ders span­nend sind die Ein­blicke in Big-Data-Analy­sen zur Opti­mierung des Musikver­mark­tung­sprozess­es, Über­legun­gen zu Influ­encer Mar­ket­ing sowie zu kuratierten Musikange­boten. In vie­len Kapiteln staunt man darüber, wie weit sich die Rock- und Pop-Branche durch die Dig­i­tal­isierung in ihren Bin­nen­struk­turen inzwis­chen etwa vom Klas­sik­bere­ich ent­fer­nt hat. Am Ende jedes Fach­beitrags find­et man ein aus­führlich­es Lit­er­aturverze­ich-nis und am Schluss des Buch­es ein Autoren‑, Sach- und Namensregister.
Das Buch richtet sich in erster Lin­ie an den kom­merziellen Musik-betrieb, an Mitar­bei­t­ende in Labels, Musikpro­duk­tio­nen, Agen­turen und Musikver­la­gen, an Kün­stler aus dem Rock‑, Pop- und Jazz-Sek­tor sowie an Unter­rich­t­ende dieser Branchen. Aber auch diejeni­gen, die eher weniger im kom­merziellen Musikgeschäft unter­wegs sind, wer­den in einzel­nen Kapiteln (vor allem: Dig­i­tale Musikver­mark­tung, Mar­ket­ing- und Pro­mo­tionkam­pag­nen) wertvolle Erken­nt­nisse gewin­nen können.
Ger­ald Mertens