Arbeitsgemeinschaft Musikermuseen in Deutschland (Hg.)

Musikermuseen in Deutschland

Den Noten auf der Spur. Bach, Beethoven, Brahms, Grieg, Hasse, Händel, Liszt, Mahler, Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Orff, Schumann, Strauss, Wagner und weitere große Komponisten

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Grebenikov, Berlin 2014
erschienen in: das Orchester 03/2015 , Seite 65

Bes­timmte Orte wird wohl jed­er Musikken­ner mit Berühmtheit­en der Musikgeschichte assozi­ieren, weil sie für ihn ein­fach zusam­menge­hören: Eise­nach – Johann Sebas­t­ian Bach, Weimar – Franz Liszt, Bayreuth – Richard Wag­n­er oder Garmisch-Partenkirchen – Richard Strauss. Dass dort deren Wohn­häuser noch ste­hen, in denen sich heute besuchenswerte Gedenkstät­ten befind­en, dürfte all­ge­mein eben­so bekan­nt sein. Ver­mut­lich wer­den beispiel­sweise Bad Köstritz, Zwick­au oder Meinin­gen solche Bezüge gle­ich­falls her­vor­rufen, doch wird man dann eher unsich­er sein, wie aus­geprägt die muse­ale Erin­nerungskul­tur an Hein­rich Schütz, Robert Schu­mann und Max Reger dort tat­säch­lich ist.
Der vor­liegende Reise­führer informiert nun nicht nur über die Gegeben­heit­en der genan­nten Orte, son­dern macht den Leser beim Schmök­ern auch noch auf andere poten­zielle Aus­flugsziele aufmerk­sam, von deren Exis­tenz man bish­er gar nichts wusste. Wer zum Beispiel zufäl­lig durch Dießen am Ammersee, Großrück­er­swalde, Löbe­jun oder Rain fährt, der wird – sofern er nicht zufäl­lig ein Spezial­ist ist – näm­lich kaum ver­muten, hier auf Ausstel­lun­gen über Carl Orff, die Brüder Rudolf und Erhard Mauers­berg­er, Carl Löwe und die drei Lach­n­er-Brüder (Franz, Ignaz und Vinzenz) zu stoßen. Darüber hin­aus wurde erfreulicher­weise mit Friedrich Silch­er auch ein von der akademis­chen Musik­wis­senschaft zu wenig geachteter Kün­stler berück­sichtigt, dessen Bre­it­en­wirkung im Rah­men der Chorkul­tur unbe­stre­it­bar ist (in seinem Geburtshaus in Wein­stadt, Ort­steil Schnait, befind­et sich das „Sänger­mu­se­um“).
Auf der anderen Seite find­en sich noch Kom­pon­is­ten, die sich zwar auch in Deutsch­land aufge­hal­ten hat­ten, üblicher­weise aber zuerst in Zusam­men­hang mit ihren Heimatlän­dern wahrgenom­men wer­den: So erin­nert in Augs­burg das „Mozart-Haus“ an den zwei­wöchi­gen Aufen­thalt des Wun­derkinds im Jahr 1777, wobei man immer­hin das Geburtshaus seines Vaters nutzen kann und natür­lich auch des Let­zteren gedenkt; Leipzig kann mit ein­er „Grieg-Begeg­nungsstätte“ im ehe­ma­li­gen Gebäude des Peters-Ver­lags aufwarten (Edvard studierte vier Jahre am hiesi­gen Kon­ser­va­to­ri­um); und Ham­burg leis­tet sich ein „Gus­tav Mahler-Muse­um“ (dieser war von 1891 bis 1897 Erster Kapellmeis­ter am dor­ti­gen Stadtthe­ater), das sich in seinem dama­li­gen Wohn­haus befind­et.
Bei allem Respekt für die bedeu­tende Musikgeschichte der Hans­es­tadt reg­istri­ert man übri­gens etwas erstaunt, dass hier mit ins­ge­samt sieben die meis­ten Gedenko­rte verze­ich­net sind, während es andere Musik­metropolen wie Dres­den oder Leipzig nur auf einen bzw. zwei Ein­träge brin­gen und München oder Berlin sog­ar fehlen. Doch der Her­aus­ge­ber hat natür­lich nur „seine“ Insti­tu­tio­nen vorgestellt, und das ist legit­im. Die über­schaubaren, aber ergiebi­gen Erläuterun­gen richt­en sich an den Touris­ten, sind gut zu lesen und machen „Appetit“ (nicht zulet­zt wegen der Hotel- und Gast­stät­ten­empfehlun­gen). Anschriften und die Adressen der Home­pages sowie die reiche Bebilderung run­den die ansprechende Pub­lika­tion ab.
Georg Günther