©Jan Pieter Fuhr

Marco Frei

Musik im Netz

Wie Orchester und Opernhäuser mit der Digitalisierung voranschreiten – oder mit ihr hadern

Rubrik: Thema
erschienen in: das Orchester 6/2022 , Seite 08

Schon vor Corona war die Digitalisierung im Musikleben als Thema virulent. Doch die Pandemie hat vollends deutlich gemacht, wie wichtig sie ist und wie viel hier insgesamt noch zu tun ist. Viele Probleme sind nicht neu, wurden aber bislang kaum angepackt. Gleichzeitig ist auch im Internet nicht alles Gold, was glänzt. Eine Frage steht weiterhin im Raum: Wie viel Netz verträgt die Kunst?

In ihrer Ankündi­gung holt die Bay­erische Staat­sop­er im Jan­u­ar 2022 weit aus. „Unsere Gesellschaft befind­et sich im Wan­del. Die Dig­i­tal­isierung verän­dert all unsere Lebens­bere­iche. Neue Kom­mu­nika­tions- und Medi­en­for­men bieten ungeah­nte Chan­cen der kul­turellen Ver­mit­tlung, stellen Kul­turin­sti­tu­tio­nen aber auch vor nie dagewe­sene Her­aus­forderun­gen. Die Nutzungs­dauer des medi­alen Inter­nets steigt unaufhör­lich, ger­ade bei jun­gen Men­schen. Die ­Rel­e­vanz von tra­di­tionellen Kul­tur­for­men hinge­gen sinkt im All­t­ag der Men­schen immer mehr – und das nicht erst, seit die ­Corona­krise alle Kul­turstät­ten zu ein­er Nieder­legung des reg­ulären Spiel­be­triebs zwang.“
Das Haus in München spricht von einem „ständi­gen, sich immer wieder neu definieren­den Trans­for­ma­tion­sprozess“. „Die dig­i­tale Trans­for­ma­tion stellt sich als rich­tungsweisende Her­aus­forderung dar, in der Opern­häuser eine inten­sive, aufgeschlossene, aber auch kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit den Mech­a­nis­men der dig­i­tal­isierten Welt leis­ten müssen. Nur so kann die gesellschaftliche Bedeu­tung der Kun­st­form Oper und die Fasz­i­na­tion des Büh­nengeschehens in die dig­i­tale Welt über­set­zt wer­den und der kün­st­lerische Diskurs auch dig­i­tal weit­erge­führt werden.“

Komplexer Ist-Zustand

Mit diesen Worten begrün­det die Bay­erische Staat­sop­er nicht nur ihre neue „Dig­i­tal­strate­gie“ (siehe Beitrag S. 16). Vielmehr skizziert sie klar und deut­lich den gegen­wär­ti­gen Ist-Zus­tand und seine Voraus­set­zun­gen. Die Coro­na-Pan­demie mag Ten­den­zen und Entwick­lun­gen ein­er­seits beschle­u­nigt und ander­er­seits ekla­tante Missstände der Dig­i­tal­isierung offen­bart haben, zumal in Deutsch­land und im Kul­turleben, aber: Schon lange vorher stand das The­ma groß und promi­nent auf der Agenda…


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