María Del Mar Alonso Amat/ Elisabeth Megesacher/ Andreas Meyer

Musik ausstellen

Vermittlung und Rezeption musikalischer Themen im Museum

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: transcript, Bielefeld 2021
erschienen in: das Orchester 11/2021 , Seite 67

Die method­is­che Offen­heit dieser Unter­suchung über Insze­nierun­gen und Nar­ra­tive von Musik­museen und deren Pub­likum­sres­o­nanz bietet gle­icher­maßen Vor- und Nachteile. Vorgestellt wer­den ver­schiedene Raum- und Präsen­ta­tion­skonzepte zu Per­sön­lichkeit­en, Instru­menten, Gat­tun­gen und Epochen in Samm­lun­gen und Dauer­ausstel­lun­gen. Über­legun­gen der Kura­to­rien, stan­dortrel­e­vante Gestal­tun­gen sowie inhaltliche und kom­mu­nika­tive Ange­bote an das Pub­likum flossen in die Betra­ch­tun­gen ein. Umfan­gre­ichere Darstel­lun­gen mit ein­er Erörterung der lokalen und konzep­tionellen Anlässe zu nar­ra­tiv­en Verknüp­fun­gen set­zen sich mit dem Mozarthaus Vien­na, dem Musée de la musique in der Cité de la musique – Phil­har­monie de Paris, der Musikin­stru­menten­samm­lung der Uni­ver­sität Leipzig im Gras­si-Muse­um und dem Rock’n’popmuseum Gronau auseinander.
Bezüglich musik­in­ter­essiert­er Ziel­grup­pen ist vor allem inter­es­sant, wie die quel­len­be­zo­ge­nen, inter­ak­tiv­en und medi­alen Mit­tel angenom­men wer­den. Die Antworten auf per­sön­liche Besucher­be­fra­gun­gen sind umfan­gre­ich wiedergegeben. Die meis­ten beschriebe­nen Ausstel­lun­gen erfuhren pos­i­tive Rück­mel­dun­gen und regten dazu an, nach dem Muse­ums­be­such das Gese­hene selb­st­ständig zu ver­tiefen. Ander­er­seits kri­tisieren Besuch­er in Musikin­stru­menten­samm­lun­gen die man­gel­nden Möglichkeit­en, etwas über die klan­glichen Unter­schiede und Spielmöglichkeit­en ver­schieden­er Entwick­lungsstufen eines Instru­menten­typs zu erfahren. Par­al­lel fließen Basisüber­legun­gen ein, wie Muse­um­sleitun­gen touris­tis­che oder regionale Ziel­grup­pen ansprechen wollen und wie Samm­lun­gen zur Basis ein­er Muse­um­skonzep­tion wur­den. Die Gewich­tung der Museen ist aus­ge­wogen zwis­chen Samm­lun­gen über Kom­pon­is­ten, Musikin­stru­mente­nausstel­lun­gen sowie Epochen- und Gattungsthemen.
Es geht um Museen als Bil­dungs- und Freizeit­ein­rich­tun­gen sowie deren repräsen­tierende, archivierende und touris­tis­che Funk­tio­nen. Dabei ist die Pub­lika­tion meis­tens an die Rechercheergeb­nisse zum Zeit­punkt der Orts­bege­hun­gen gebun­den. Es kon­nte oft nicht berück­sichtigt wer­den, dass Dauer­ausstel­lun­gen Gegen­stand stetiger Änderun­gen sind.
Die Auswahl der Museen ist mit weni­gen Aus­nah­men auf Mit­teleu­ropa beschränkt. Volksmusik- und andere Son­der­räume von Heimat‑, Gemeinde- und Volk­skun­de­museen find­en eben­so wenig Erwäh­nung wie Ausstel­lun­gen über Musik­er­per­sön­lichkeit­en oder musikalis­che Büh­nen­werke in The­ater­museen, obwohl deren Dauer- und Son­der­ausstel­lun­gen auch musik­sozi­ol­o­gis­chen Aspek­ten bre­it­en Raum geben. Mit Aus­nahme des Musée de la musique Paris wird keine Samm­lung erwäh­nt, die sich der his­torischen und spez­i­fis­chen Entwick­lung von Instru­men­tal­ensem­bles, Hofkapellen, Stadt­musik und Orch­estern wid­met. Die Pas­sagen über Samm­lun­gen außereu­ropäis­ch­er Musikin­stru­mente und pop­uläre Musik­strö­mungen liefern auf­schlussre­iche Details.
Roland Dippel