Franz Schubert

Music for Violin II

Ariadne Daskalakis (Violine), Paolo Giacometti (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: BIS Records
erschienen in: das Orchester 04/2021 , Seite 72

Mit dem zweit­en Teil ihrer Gesamtein­spielung der Vio­lin­werke Franz Schu­berts deck­en Ari­adne Daskalakis und Pao­lo Gia­comet­ti die ganze Span­nweite des vom Kom­pon­is­ten inner­halb dieser über­schaubaren Werk­gruppe erziel­ten musikalis­chen Spek­trums ab, kön­nen dabei aber nicht run­dum überzeu­gen. Das dem vir­tu­osen Stil von Schu­berts Zeit verpflichtete Ron­do bril­lant h‑Moll D 895 wirkt sowohl im Klavier­part als auch in Bezug auf die häu­fi­gen Rep­e­ti­tio­nen der Vio­line hölz­ern und unbe­weglich und lässt, sieht man von der vor­let­zten, poly­fo­nen Ron­do-Episode ab, in klan­glich­er Hin­sicht recht wenig Wille zur Nuancierung erken­nen.
Die bei­den frühen Sonat­en D‑Dur D 384 und a‑Moll D 385 gerät den Kam­mer­musik­part­nern zwar ansprechen­der, doch macht die Aus­rich­tung des dial­o­gis­chen Musizierens gele­gentlich rat­los, wenn etwa in den kantablen Pas­sagen ein eher unbe­weglich­er, star­rer Vio­lin­ton dominiert oder der fast voll­ständi­ge Verzicht auf Agogik einen gehet­zten und über­hasteten Ein­druck her­vor­ruft. Dass Daskalakis und Gia­comet­ti dur­chaus anders kön­nen, offen­bart ihre dif­feren­ziert­ere, auf Vielfalt der Aus­druck­snu­an­cen bedachte und vor allem rhetorisch geschick­tere Wieder­gabe der großen Sonate A‑Dur D 574. Die Ursachen für diese Unter­schiede in der Musizier­hal­tung erschließen sich auch nach mehrma­ligem Hören nicht, sodass die Pro­duk­tion let­zten Endes einen zwiespälti­gen Ein­druck hin­ter­lässt.
Ste­fan Drees