Eugène Bozza, François Rasse, Florent Schmitt und andere

Monody – Music for cor anglais Vol. 3

Martin Frutiger (Englischhorn), Petya Mihneva Falsig (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Guild Music Limited
erschienen in: das Orchester 12/2021 , Seite 83

Jet­zt ist sie vol­len­det, die Trilo­gie, mit der Mar­tin Frutiger (Englis­chhorn) und Petya Mih­ne­va Fal­sig (Klavier) die Lit­er­atur für Englis­chhorn – das Cor anglais – erkun­den. Die ersten bei­den CDs, erschienen beim sel­ben Label, stell­ten ital­ienis­che, dann deutsche und Schweiz­er Orig­i­nal­w­erke vor. Mit dem drit­ten (Doppel-)Silberling durch­streift das Duo nun das franzö­sis­che Reper­toire. Und ent­deckt wiederum jede Menge hörenswerte Musik.
Bekan­nte Kom­pon­is­ten­na­men sind dabei wie etwa Charles Koech­lin oder Eugène Boz­za, aber auch viele wohl nur Lieb­habern bekan­nte Ton­set­zerin­nen wie Louis-Auguste Vény oder Clé­mence de Grand­val, die in der Lang­fas­sung Marie Féli­cie Clé­mence de Reiset Vicomtesse de Grand­val hieß. Sie war Schü­lerin von Camille Saint-Saëns und schrieb Musik aller Gat­tun­gen, meist unter Pseu­do­nym. Hier ist sie mit Qua­tre pièces vertreten, uraufge­führt 1878. Sou­verän gear­beit­ete Kam­mer­musik, konzen­tri­ert in der For­mulierung der Motive, zugle­ich von Empfind­samkeit und Poe­sie durch­strömt. Bei­de CDs ori­en­tieren sich nicht an der Chronolo­gie, son­dern bieten so etwas wie ein abwech­slungsre­ich­es Konzertprogramm.
Eröff­nen besagte Qua­tre pièces die zweite CD, so ste­hen Stücke von Eugène Boz­za am Beginn der ersten. Boz­za schuf eine Vielzahl von Bläser­stück­en, die auch heute noch häu­fig gespielt wer­den. Er wan­delt auf den Spuren von Debussy und Rav­el, ohne jedoch epigo­nen­haft zu wirken – sehr schön zu hören im Diver­tisse­ment, das mod­erne Akko­rd­wel­ten mit kün­stlich­er Archaik verbindet.
Nur weni­gen dage­gen dürfte der Name Gus­tave Vogt etwas sagen. 1781 im Elsass geboren, gilt er als Grün­der der mod­er­nen Oboen­schule, hat aber auch dem Englis­chhorn Gel­tung ver­schafft. So saß er 1820 in Paris im Orch­ester und spielte bei der Urauf­führung von Rossi­nis Wil­helm Tell das Englis­chhorn-Solo in der Ouvertüre. Vogt hin­ter­ließ unter anderem nicht weniger als sechzehn Oboenkonz­erte, aber auch ein Solo de Con­cert pour le cor anglais, das im Grunde ein verkapptes Konz­ert für Englis­chhorn ist. Vogt erweist sich darin als exzel­len­ter Kom­pon­ist, der in der Klas­sik fußt, aber auch eine Liebe für roman­tis­che Frei­heit­en erken­nen lässt. Die vor­liegende Auf­nahme bietet erst­mals die vom Englis­chhor­nisten Michel Ros­set aus vier Quellen rekon­stru­ierte Fassung.
Viel Raum nehmen Werke von Charles Koech­lin ein. Der wegen sein­er Instru­men­ta­tion­skun­st als Klang­magi­er bewun­derte Kom­pon­ist ist unter anderem mit zwei Mono­di­en und der Suite op. 185 vertreten.
Äußerst effek­tvolle und vir­tu­ose Musik bieten die Fan­tasien von Louis-Auguste Vény, Stanis­las Ver­roust und Théodore Lal­li­et – Stücke, mit denen sich ein Konz­ertabend wirkungsvoll been­den lässt. Frutiger bren­nt darin ein fabel­haft vir­tu­os­es Feuer­w­erk ab. Doch auch Fal­sig hat immer wieder Gele­gen­heit, sich in Szene zu set­zen. Ins­ge­samt bilden bei­de ein blendend aufeinan­der einge­spieltes Duo. Faz­it: ein Füll­horn wun­der­bar­er Musik, hin­reißend dargeboten.