Seifen, Wolfgang

Missa festiva

In honorem Sancti Liborii für gemischten Chor (SATB) und konzertierende Orgel, Chorpartitur/Einzelstimme Orgel

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 77

Es soll im Jahr 397 gewe­sen sein, als Libo­rius als Bischof in Le Mans starb. Knapp 500 Jahre später kamen seine Gebeine als Reliquie in den Dom zu Pader­born, wo sie jet­zt seit mehr als 1000 Jahren Anlass sind, alljährlich das größte Som­mer­volks­fest in West­falen, das Libori-Fest, zu feiern. Die Beliebtheit des Stadtheili­gen hat ihren Nieder­schlag auch in ein­er Fülle von Libo­rius-Liedern in der Volks­fröm­migkeit und in den Lieder­büch­ern West­falens gefun­den. Zum Jubiläum des Dom­chors 2014 beauf­tragte das Met­ro­pol­i­tankapi­tel Wolf­gang Seifen mit der Kom­po­si­tion ein­er Festmesse, die am 26. Juli 2014, mit­ten in der Libori-Woche, durch die Wid­mungsträger – den Dom­chor der Met­ro­pol­i­tankathe­drale Pader­born und seinen Leit­er, Domkapellmeis­ter Thomas Bering – ihre Urauf­führung erlebte.
Getreu dem Titel sein­er Auf­tragskom­po­si­tion (zu Ehren des Heili­gen Libo­rius) hat Seifen eines der beliebten Lieder als the­ma­tis­che Klam­mer für die fünf Teile des katholis­chen Mes­sor­di­nar­i­ums (aufs Cre­do wurde verzichtet) ver­wen­det: „Den roten Faden bildet das alte Libori-Lied, welch­es tra­di­tionell zum Libori-Fest erklingt und in der Bevölkerung sehr beliebt ist“, so der Kom­pon­ist. Lei­der, und das ist auch schon der einzige Makel an dieser Aus­gabe, wird nicht ver­rat­en, auf welche Melodie aus der reich­halti­gen Tra­di­tion die Wahl fiel. Zwar ist der the­ma­tis­che Liedan­fang durch den in Klam­mern geset­zten Text „Sei gegrüßet, o Libori, dessen Namen Ehr und Glo­rie“ über der Orgel­stimme her­vorge­hoben, aber das The­ma ist so weit chro­ma­tisch und har­monisch aufge­hüb­scht, dass die Ken­nt­nis der schlicht­en Lied­melodie es dem Nicht-West­falen leichter gemacht hätte, das Wach­sen der Motivkeimzelle durch alle Sätze der Messe zu ver­fol­gen.
Der Orgel­part ist mit seinen reichen Solo- und Zun­gen­reg­is­tern der Orge­lan­lage des Pader­borner Doms auf den Leib geschrieben. Chro­ma­tisch bunt – doch nicht schreiend – kommt der konz­er­tante Part daher, aber durch­dacht und mit einem kom­pos­i­torischen Plan, der beim Lesen und Durch­spie­len nicht nur nachvol­lziehbar ist, son­dern sich ger­adezu logisch ergibt. Der Chor­part, nicht weniger anspruchsvoll, greift die tradierten For­men der Festmessen auf. Sauber entwick­elt sich das dre­it­eilige Kyrie, wie das „Cum-Sancto“-Fugato im Glo­ria, und es schließt sich ein inniges, vom Solo-Sopran ein­geleit­etes Bene­dic­tus an das Sanc­tus an. Über­haupt ist die Mess­gestalt stark geprägt von den großen franzö­sisch-roman­tis­chen Messen. Da passt es gut ins Bild, dass die Spielan­weisun­gen für den Organ­is­ten eben­so dieser Tra­di­tion fol­gen.
Wolf­gang Seifen hat dem Pader­borner Dom­chor eine Messe geschenkt, die voller musikalis­ch­er Ideen und reich­er Klang­pracht steckt. Eine mehr als nur angemessene Gabe zum Dom­chor­ju­biläum.
Markus Roschin­s­ki