Alwin Michael Schronen

Missa Argentina

Homenaje al Papa Francisco für gemischten Chor (SATB) und Streicher

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 65

Papst Franziskus inspiri­ert die Musik­er. 2017 brachte die kolumbian­is­che Com­bo „Músi­cos Católi­cus Unidos“ zu Ehren des Heili­gen Vaters das Lied Demos el primer paso (Tun wir den ersten Schritt) her­aus. Es besaß alle Zutat­en für einen Som­mer­hit: eingängiger Refrain, abso­lut tanzbar, ansteck­ende Fröh­lichkeit, kurz: ein Ohrwurm mit Gottes Segen – inklu­sive rap­pen­der Ordenss­chwest­er.
Gegen­stück zu dieser Pap­stverehrung aus dem Geiste der Gute-Laune-Musik ist die Mis­sa Argenti­na von Alwin Michael Schro­nen. Auch sie ver­ste­ht sich als Hom­mage an „Papa Fran­cis­co“, stellt sich aber in die jahrhun­der­talte Tra­di­tion der Messver­to­nun­gen. Schro­nen spricht im Vor­wort der Par­ti­tur von der „Beschei­den­heit“ und dem „güti­gen Auftreten“ von Papst Franziskus, die in ihm den Wun­sch geweckt hät­ten, das Ober­haupt der katholis­chen Kirche mit ein­er Messe zu ehren.
Und so beschei­den Franziskus auftritt, so hält sich auch Schro­nen in der 2013 geschriebe­nen Mis­sa Argenti­na mit kom­pos­i­torischen Finessen und klan­glichem Pomp zurück. Das Werk für vier­stim­mi­gen gemis­cht­en Chor und Stre­ich­er gibt sich schlicht und ist aus­drück­lich mit Blick auf Laienchöre geschrieben, was gewiss im Sinne von Franziskus sein dürfte. So leicht die Rhyth­mik, so eingängig die Melodik. Auch die Har­monik bleibt leicht nachvol­lziehbar – Nonen­vorhalte laufen hier zum Span­nungsmo­ment auf, Akko­rd­verbindun­gen sind neues-geistlich­es-Lied-tauglich. Wer Musik zum Beispiel von John Rut­ter liebt, dürfte auch die Mis­sa Argenti­na mögen. Die Umfänge der Gesangsstim­men über­schre­it­en nicht das, was man von einem Laien­chor erwarten darf. Der fün­f­s­tim­mige Stre­icher­chor begleit­et über weite Streck­en col­la parte, was dem Chor weit­ere Sicher­heit ver­lei­ht. Das alles heißt aber beileibe nicht, dass blut­leere Musik ent­standen wäre. Im Gegen­teil: Schro­nen ver­ste­ht sich auf ökonomis­ches und höreror­i­en­tiertes Kom­ponieren. Bei Anhängern der Avant­garde dürfte das eher Stirn­run­zeln aus­lösen, bei vie­len Chorsängern hinge­gen Gefüh­le der Dankbarkeit für eine Musik, die sich in über­schaubar­er Zeit ein­studieren lässt.
Das Kyrie ver­läuft in gemessen­em Tem­po und begin­nt mit einem ein­fachen, mot­toar­ti­gen Motiv. Später erscheint im Sopran, von den Unter­stim­men osti­na­toar­tig begleit­et, die bekan­nte Brud­er Jakob-Melodie, hier nach Moll gewen­det. Was wie ein aufge­set­zter Gag wirkt, erk­lärt sich aus der Tat­sache, dass die Melodie in Argen­tinien, dem Heimat­land des Pap­stes, mit dem Text „Fray Fran­cis­co“ gesun­gen wird. Die Ver­wen­dung von Volk­slied­melo­di­en kennze­ich­net ins­ge­samt diese Messe. Das Glo­ria basiert auf dem Lied Viva Jujuy und schwingt im Sech­sachteltakt, das Sanc­tus lebt vom Wiegen­lied Arroz con leche, das in einen sehr fes­tlichen und stim­mungsvollen Chor­satz inte­gri­ert wird. Im Agnus Dei schließlich wer­den alle drei Melo­di­en im Sinne eines krö­nen­den Finales zusam­menge­führt. Trotz­dem bleibt der Charak­ter des Agnus gewahrt – es schließt in zartem Pianis­si­mo.
Math­ias Nofze