Armin Wunsch

Mein erfolgreiches Orchester

Techniken und Strategien für Zusammenarbeit und Entwicklung im Orchester

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Springer
erschienen in: das Orchester 12/2021 , Seite 68

Die Verbesserung der Kom­mu­nika­tion und Zusam­me­nar­beit im Orch­ester ist kein ganz neues The­ma. In dieser Zeitschrift wurde es seit dem Grund­satzbeitrag von Ralf Pegel­hoff* regelmäßig aufge­grif­f­en, und neue Buch­pub­lika­tio­nen zu diesem speziellen The­ma müssen sich also auch an der Entwick­lung des Diskurs­es messen lassen.
Das Buch von Armin Wun­sch ist in acht Kapi­tel aufgeteilt, jew­eils mit Lit­er­aturhin­weisen am Ende.
Nur ein einziges Mal wird auf einen Beitrag in das Orch­ester hingewiesen. Das enttäuscht.
Das Vor­wort von Rein­hard Goebel, der ein­räumt, dass er das Buch in der Entste­hungsphase nur kurz habe über­fliegen dür­fen, wirkt deplatziert. Er hebt über­rascht die Flex­i­bil­ität heutiger Orch­ester und deren Ange­bote in der Coro­n­a­pan­demie her­vor – „…und DAS ohne Tarif-Ver­hand­lun­gen, Streik und ohne muf­fige Gesichter“ –, was seine kon­ser­v­a­tive Sicht verdeutlicht.
Braucht man aus­gerech­net diese Eröff­nung in einem Buch zum „erfol­gre­ichen“ Orch­ester? Nun ja.
Wun­schs Grun­didee, mit zeit­gemäßen Meth­o­d­en und Mod­ellen die Zusam­me­nar­beit, Wertschätzung und Kom­mu­nika­tion im Orch­ester zu befördern, ist im Grund­satz richtig. Als pro­fes­sioneller Geiger in der NDR Radio­phil­har­monie und heutiger Leit­er von Orch­ester­büro und KBB des hr-Sin­fonieorch­esters ken­nt er mehrere Per­spek­tiv­en – allerd­ings offen­bar nur aus der Sicht großer (Rundfunk-)Klangkörper. Wenn auch die fik­tiv­en Orch­ester­mit­glieder Paul und Chris­tine in ver­schiede­nen Fall­beispie­len als Cel­lis­ten eines Kam­merorch­esters agieren, so stellt Wun­sch expliz­it auf Orch­ester­größen zwis­chen 80 und 120 Musik­ern ab. Was denkt sich da ein Orch­ester­mit­glied in Lübeck, Hei­del­berg oder Riesa?
Es geht dem Autor um ein gewin­nen­des Zusam­men­leben im Orch­ester, sowohl aus Musik­er- als auch aus Man­ag­er-Sicht. Er analysiert die Führungsstruk­turen im Orch­ester, stellt die Grund­la­gen von Kom­mu­nika­tion, Feed­back und Kon­flik­t­man­age­ment dar. Das Har­mon­isieren höch­st­per­sön­lich­er Ziele und Werte von Orch­ester­mit­gliedern und Mitar­beit­ern mit der Resilienz, also der „psy­chis­chen Wider­stands­fähigkeit in der Orch­ester­welt“, nimmt bre­it­en Raum ein.
Das kurze Kapi­tel „Verträge und Änderungsverträge im Orch­ester­all­t­ag“ führt ein wenig aufs Glat­teis, da es eher um Zielvere­in­barun­gen und Absprachen, weniger aber um Verträge im Rechtssinn geht.
Das kann von Nichtjuris­ten leicht falsch ver­standen wer­den. Bedauer­lich, dass Wun­sch den neuen Titel des TVK vom 1. Okto­ber 2019  augen­schein­lich noch nicht kannte.
Ein gründlicheres Fach­lek­torat hätte dem Buch gut­ge­tan; auch bei der Kor­rek­tur kleiner­er Textfehler, der Gliederung und bei der Redaktion
von Band­wurm­sätzen mit über 40 oder gar 50 Worten.
Trotz allem: Wer sich mit der Verbesserung der Zusam­me­nar­beit im Orch­ester befasst, wird in dem Buch viele wertvolle Anre­gun­gen, Tipps und Tech­niken finden.

* „Musik­er als Erfül­lungs­ge­hil­fen“ in das Orch­ester 3/2007, S. 8 ff.