Max Reger

String Trios/Piano Quartet

Trio Lirico: Franziska Pietsch (Violine), Sophia Reuter (Viola), Johannes Krebs (Violoncello) & Detlev Eisinger (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Audite
erschienen in: das Orchester 02/2018 , Seite 69

Warum ist die Kam­mer­musik von Max Reger selb­st in deutschen Konz­ert­sälen ver­gle­ich­sweise sel­ten zu hören? Man kann es nicht ver­ste­hen, wenn man diese CD gehört hat. Sehr humor­voll und ger­adezu klas­sizis­tisch kom­men seine Stre­ichtrios und sein Klavierquar­tett op. 133 in der sub­tilen und ein­fühlsamen Wieder­gabe des Trio Liri­co daher.
Franziska Pietsch (Vio­line), Sophia Reuter (Vio­la) und Johannes Krebs (Vio­lon­cel­lo) inter­pretieren zunächst das Stre­ichtrio op. 77b und op. 141b mit stark­er Energie und nicht nach­lassen­dem Elan. For­mal klar kom­men die erfrischen­den Momente dieser har­monisch aus­ge­wo­ge­nen Kom­po­si­tio­nen zum Vorschein, deren Klang­far­ben­re­ich­tum immer wieder neu her­vorsticht. Chro­ma­tis­che Fortschre­itung und die Par­al­lelführung der drei Stim­men gehen naht­los ineinan­der über, wobei sich der schlichte Charak­ter der Kom­po­si­tio­nen imponierend behauptet. Und die dynamis­che Struk­tur des ersten Forte-The­mas und des zweit­en Piano-, Dolce- und Espres­si­vo-The­mas melden sich mit spiel­tech­nis­ch­er Ele­ganz.
Aber auch der ausufer­nde Charak­ter dieser Werke mit den für Reger typ­is­chen impul­siv­en Aus­brüchen kommt präzis zum Vorschein. Dichte Mod­u­la­tio­nen und eine inter­es­sante Stimm­führung wech­seln sich hier facetten­re­ich ab. Anklänge an den beschwingten Geist Mozarts lassen nicht lange auf sich warten.
Noch inter­es­san­ter und ein­fühlsamer gestal­tet das Trio Liri­co dann allerd­ings zusam­men mit dem sen­si­bel agieren­den Pianis­ten Detlev Eisinger das wertvolle Klavierquar­tett op. 133 von Max Reger. Erste Pläne zu diesem zweit­en Klavierquar­tett in a-Moll op. 133 ent­standen im April 1914 während eines Kuraufen­thalts in Mer­an. Die Urauf­führung im Leipziger Gewand­haus 1915 wurde von der Kri­tik sehr gefeiert.
Der Geist der „Mozart-Vari­a­tio­nen“ lässt sich bei dieser Wieder­gabe nicht ver­leug­nen. Auf­fal­l­end ist ins­beson­dere die klare und über­sichtliche For­mgestal­tung. Kon­tra­punk­tis­ch­er Reich­tum und lyrische Sphärenseligkeit wech­seln sich immer wieder ab. Das Klavier wird weich in den Stre­icherk­lang einge­bet­tet. Extreme Aus­druckssteigerun­gen wer­den dabei durch die Sonaten­form gebändigt. Und im expres­siv­en Larghet­to wer­den die har­monis­chen Facetten des Dur-Moll-Sys­tems klang­far­ben­re­ich aus­gelotet.
Ins­ge­samt gelingt es den Solis­ten auf dieser CD vorzüglich, die tief emp­fun­de­nen Stim­mungs- und Charak­ter­bilder nuan­cen­re­ich nachzuze­ich­nen. Die schöpferische Auseinan­der­set­zung mit den ver­schiede­nen Spiel­tech­niken ste­ht so immer wieder in reizvoller Weise im Mit­telpunkt. Außer­dem ist es sich­er sehr schwierig, den für Max Reger so typ­is­chen har­monisch ausufer­n­den Charak­ter der einzel­nen Werke präzis her­auszuar­beit­en. Aber auch dieses Prob­lem lösen die Musik­er in vortr­e­f­flich­er Weise. Und auch hier gebührt wiederum der sub­tilen Wieder­gabe des Klavierquar­tetts op. 133 der Lor­beerkranz. Bei den reinen Stre­ichtrios über­wiegt übri­gens immer wieder der ser­e­naden­hafte Charak­ter, der sich in durchsichtig-„himmlische“ Sphären auflöst.
Alexan­der Walther