Theede, Michael

Management und Marketing von Konzerthäusern

Die Bedeutung des innovativen Faktors

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Peter Lang, Frankfurt am Main 2007
erschienen in: das Orchester 02/2008 , Seite 60

Um es vor­weg zu nehmen: Dieses Buch ist für jeden Prak­tik­er, der in der Ver­ant­wor­tung für ein Orch­ester, ein Konz­ert- oder Opern­haus ste­ht, ein echter Gewinn. Und das ist eher ungewöhn­lich, han­delt es sich bei dem Werk von Michael Theede doch um die über­ar­beit­ete Fas­sung sein­er Dis­ser­ta­tion aus dem Bere­ich der kul­turellen Inno­va­tions­forschung. Statt mit wis­senschaftlichen The­sen und Antithe­sen zu kon­fron­tieren, wie in Dok­torar­beit­en üblich, gelingt es dem Autor, eine prax­is­na­he Analyse der aktuellen Man­age­ment- und Mar­ket­ingsi­t­u­a­tion bedeu­ten­der deutsch­er Konz­erthäuser zu entwick­eln.
Die Prax­is­nähe ist im konkreten Fall logis­che Folge der Herange­hensweise: Theede hat unter Ver­wen­dung eines aus­führlichen Frage­bo­gens, der im Anhang des Buchs abge­druckt ist, die maßge­blichen Inten­dan­ten bzw. Man­ag­er der zwölf großen deutschen Konz­erthäuser einge­hend befragt und unter­legt deren Aus­sagen mit aus­führlichen Analy­sen von Spielplan- und Ange­botsstruk­turen. Es ste­ht also zunächst der Ist-Stand im Vorder­grund, um hier­aus unter Ein­beziehung der ein­schlägi­gen aktuellen Fach­lit­er­atur den the­o­retis­chen Unter­bau und abstrak­te Struk­turen zu entwick­eln.
Theede hat sein Buch in acht Abschnitte eingeteilt. Nach ein­er kurzen Ein­leitung befasst er sich im Haupt­teil zunächst unter dem Titel „Musik und Mar­ket­ing – Pub­likum­sori­en­tierung am Konz­erthaus?“ mit der aktuellen Sit­u­a­tion der führen­den deutschen Konz­erthäuser, ihren Angebots‑, Mar­ket­ing- und Pub­likumsstrate­gien. Es fol­gt mit der Über­schrift „Die Bedeu­tung des Zusam­men­wirkens von Kul­turin­sti­tu­tion und Pub­likum für das heutige Konzertleben“ die Analyse der Ursachen eines immer älter wer­den­den Konz­ert­pub­likums und der zurück­ge­hen­den Vor­bil­dung der Konz­ertbe­such­er. Ein wenig bedauer­lich ist, dass aktuelle Forschungsergeb­nisse z.B. aus dem Jugend­kul­tur­barom­e­ter (2004) oder dem Kul­tur­barom­e­ter 2005 nicht ange­sprochen wer­den, während Sekundär­lit­er­atur aus der Tages- und Wochen­presse eine recht starke Berück­sich­ti­gung find­et. Im vierten Abschnitt geht es um die „Inno­va­tion im Konzertleben und die Auswirkung auf neue Mar­ket­ing-Strate­gien“. Bre­it­en Raum nimmt die Entwick­lung und Beschrei­bung von Kinderkonz­erten, die Ein­beziehung neuer Musik und die Entwick­lung beson­der­er Konz­ert­for­mate als „Event“ ein.
Der fün­fte Abschnitt wid­met sich dem Bere­ich der „Finanzierung der Konz­erthäuser – öffentliche und pri­vate Kul­tur­förderung“. Auch Theede kann angesichts stag­nieren­der oder zurück­ge­hen­der öffentlich­er Zuschüsse keine Paten­trezepte anbi­eten, entwick­elt aber eine Menge von Ansätzen für eine stärkere pri­vate Mit­fi­nanzierung. In der Zusam­men­fas­sung spricht sich Theede für ein spez­i­fis­ches „Kul­tur­mar­ket­ing“ aus, welch­es die Beson­der­heit­en des Konz­ert­be­triebs berück­sichtigt. Es müssten sehr het­ero­gene Pub­likums­grup­pen ange­sprochen wer­den, wobei Fam­i­lien eine beson­dere Aufmerk­samkeit zukomme. Auch die Ser­vice­fre­undlichkeit des Per­son­als müsse weit­er­en­twick­elt wer­den. Ein Lit­er­aturverze­ich­nis und die Angabe wichtiger Inter­ne­tadressen ermöglichen tiefer gehende Eigen­recherchen.
Ger­ald Mertens