Camille Saint-Saëns

Malte Arkona liest „Der Karneval der Tiere“

in neuer Fassung für Erwachsene. KultBlechDresden (Blechbläserensemble der Dresdner Philharmonie)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Edel Kultur 0301752EK
erschienen in: das Orchester 10/2021 , Seite 76

Erwach­sene dürften seine Stimme aus zahlre­ichen Film- und Fernseh­pro­duk­tio­nen ken­nen, wo er zu den gefragtesten Syn­chron­sprech­ern zählt. Kinder ken­nen ihn eher vom Tiger­enten­club oder als Mod­er­a­tor der Fernsehsendung Die beste Klasse Deutsch­lands. Mit­tler­weile ist er aber auch aus dem deutschen Orch­ester­leben nicht mehr wegzu­denken: Malte Arkona. Mit seinem unglaublichen Wortwitz, sein­er Spon­taneität und der Fähigkeit, auch in großen Sälen das Pub­likum in seinen Bann zu ziehen, trägt er maßge­blich dazu bei, klas­sis­che Musik mit viel Humor Kindern und Jugendlichen nahezubringen.
Dass ihm dies auch bei anderen Pub­likumss­chicht­en gelingt, beweist er mit dieser CD, die den berühmten Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns in ein­er Erwach­se­nen­ver­sion vorstellt. Arkona führt den Zuhör­er in den gemein­sam mit Mar­tin Zelt­ner ver­fassten Tex­ten durch die „größte art- und gat­tungsüber­greifende Sin­glepar­ty des Tier­re­ichs“. Das geschieht mit so viel Humor, dass man nicht sel­ten laut lachend vor dem CD-Play­er sitzt und gar nicht erwarten kann, welch­er beson­dere Tier­charak­ter als näch­stes auf­taucht, und ob es ihm gelingt, die (noch) allein besuchte Par­ty später gepaart zu verlassen.
Der­art viele liebevolle Details sind in den Tex­ten ver­steckt, dass man die CD get­rost mehrmals hören kann, ohne auch nur eine Spur Lang­weile zu empfind­en. Zudem ist es ein­fach grandios, wie Arkona die Geschichte erzählt und jedem Charak­ter eine eigene, passende stimm­liche Fär­bung gibt – selb­st ein­er altern­den Nilpfer­d­dame, die hin­geris­sen der Tuba lauscht, deren Klang sie an die Stimme ihres ver­stor­be­nen Ehe­manns erinnert.
All das wird vom Kult­Blech­Dres­den, dem Blech­bläserensem­ble der Dres­d­ner Phil­har­monie, her­vor­ra­gend musikalisch unter­stützt. Das mit fünf Trompe­ten, drei Posaunen, zwei Hörn­ern, Eupho­ni­um, Tuba und Schlagzeug beset­zte Ensem­ble präsen­tiert sich mit einem her­rlichen Blech­bläserk­lang und her­vor­ra­gen­den Solis­ten. Das Arrange­ment, geschrieben von Hans-Rain­er Schmidt und Markus Höller, weicht zwar zum Teil erhe­blich von Saint-Saëns’ „Urtext“ ab, dies geschieht aber so gekon­nt, ein­fall­sre­ich und witzig, dass Musik und Texte gle­ich­w­er­tig in Erschei­n­ung treten. Ver­schieden­ste Zitate aus allen erden­klichen musikalis­chen Stil­rich­tun­gen sind so raf­finiert ver­ar­beit­et, dass man gele­gentlich zweimal hin­hören muss, um zu erken­nen, welche Pas­sagen aus dem Orig­i­nal über­ar­beit­et wur­den und welche nicht.
Man kommt nicht umhin, diese CD als wirk­lich­es Hörvergnü­gen zu beze­ich­nen. Auch die optis­che Gestal­tung des Cov­ers des Büros Dirk Rudolph ist sehr ansprechend. Beson­ders der kun­stvoll illus­tri­erte Hin­ter­grund lohnt, genauer betra­chtet zu wer­den. Das Book­let ist kurz, infor­ma­tiv und mit der für die Pro­duk­tion typ­is­chen Prise Humor geschrieben. Kri­tikpunkt gibt es nur einen: Im Sinne der Nach­haltigkeit sollte bei CD-Hüllen auf den Plas­tikan­teil verzichtet werden.
Ent­standen ist also eine rund­herum gelun­gene und sehr empfehlenswerte CD.
Ulrich Haider