Peter Revers

Mahlers Sinfonien

Ein musikalischer Werkführer

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: C. H. Beck
erschienen in: das Orchester 04/2021 , Seite 61

Die bere­its erschiene­nen musikalis­chen Werk­führer haben inzwis­chen die recht ansehn­liche Zahl von zwanzig Einzelpub­lika­tio­nen über­schrit­ten. Nun kam mit Mahlers Sin­fonien von Peter Revers, Pro­fes­sor an der Graz­er Uni­ver­sität für His­torische Musik­wis­senschaft, ein weit­eres Büch­lein der renom­mierten Rei­he her­aus.
Als pro­fun­der Ken­ner der Materie führt der Autor nach ein­er kleinen Ein­führung ken­nt­nis­re­ich zu den eigentlichen neun Sin­fonien und dem Tor­so der Zehn­ten hin. Zunächst beleuchtet er zum einen die Ein­flüsse des Sin­foni­eschaf­fens Lud­wig van Beethovens – ins­beson­dere sein­er Neun­ten – und Anton Bruck­n­ers, zum anderen führt er auch Richard Wag­n­ers Musik­dra­men und Franz Schu­berts Lied­schaf­fen ins Feld. Dessen Lieder spie­len bere­its in Mahlers Stu­dien­zeit eine wichtige Rolle, als Lied­be­gleit­er und bei anderen musikalis­chen Aktiv­itäten. Man denke nur daran, dass er beispiel­sweise das Stre­ichquar­tett in d‑Moll D 810 Der Tod und das Mäd­chen für Stre­i­chorch­ester arrang­iert hat­te, aber nicht nur den 2. Satz, wie merk­würdi­ger­weise notiert ist.
Und nicht zulet­zt erwäh­nt Revers lit­er­arisch-philosophis­che Ein­flüsse Friedrich Niet­zsches und ver­weist auch auf „religiöse Imp­lika­tio­nen“. Er geht auf Mahlers gedankliche Entwick­lung ein, die Final­prob­lematik in dessen Sin­fonien, nicht ohne auch auf den kom­pos­i­torischen Prozess ins­beson­dere sein­er frühen Sin­fonien hinzuweisen. „Mahlers Beschrei­bung sein­er ersten vier Sin­fonien“, so der Autor, rufe „als eine dem Inhalt und Auf­bau nach dur­chaus in sich geschlossene Tetralo­gie unweiger­lich Assozi­a­tio­nen mit Wag­n­ers Ring-Tetralo­gie her­vor.“ Sie würde wegen der moti-vis­chen und the­ma­tis­chen Querverbindun­gen „auf eine werküber­greifende epis­che Anlage zie­len“.
Die einzel­nen Sin­fonien sind jew­eils mit ein­er Art pro­gram­ma­tis­chen Leit­mo­tivik über­titelt wie „Naturlaut – Groteske – Apoth­e­ose: die 1. Sin­fonie“ oder „,See­len­voller Klang‘ und ‚kon­tra­punk­tis­che Kun­st‘: die 5. Sin­fonie“. Dem Text voran ste­hen jew­eils Angaben zur teils riesi­gen Beset­zung, zur Entste­hungszeit, den Fas­sun­gen (wie bei der Ersten), Ort und Zeit der ersten Auf­führun­gen, zum Erst­druck und Infor­ma­tio­nen zur Kri­tis­chen und zur Neuen Kri­tis­chen Gesam­taus­gabe.
Mit viel Hin­ter­grund­wis­sen wer­den sie im Einzel­nen sehr ver­ständlich beschrieben, mit Mahler-Zitat­en, mit Bezü­gen zur Sekundär­lit­er­atur und mit Bezü­gen auf andere Kom­pon­is­ten und deren Werke, ohne jedoch wie bei älteren Werkbe­sprechun­gen ana­lytisch zu sehr ins Detail zu gehen – was nur ver­bun­den mit ein­er Par­ti­tur ver­daubar wäre. Die mit Tak­tzahlen angegebe­nen Ver­weise beziehen sich auf Form- oder Stro­phen­teile, dynamis­che Ein­schnitte, tonale Dis­po­si­tio­nen oder beson­ders erwäh­nenswerte Entwick­lun­gen.
Ein aus­führlich­es Lit­er­aturverze­ich­nis (Briefe, Erin­nerun­gen, Doku­mente und Einzel­darstel­lun­gen vor­wiegend aus neuer­er und neuester Zeit) und ein Per­so­n­en­reg­is­ter run­den das Büch­lein ab.
Wern­er Boden­dorff