Luigi Cherubini

Requiem in C mino

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Rondeau
erschienen in: das Orchester 01/2018 , Seite 67

Deutsch­lands „Grünes Herz“ bietet auch an seinen östlichen Rän­dern mit Ent­deck­un­gen immer wieder Anlässe zu Besuchen. Aber ger­ade die hier doch schieres Glück ver­heißende Koop­er­a­tion des Phil­har­monis­chen Orch­esters Altenburg-Gera mit dem Kam­mer­chor der Frauenkirche Dres­den und Frauenkirchenkan­tor Matthias Grün­ert ist nicht ganz so gehaltvoll wie GMD Lau­rent Wag­n­ers regelmäßige CD-Ini­tia­tiv­en für Wal­ter Braun­fels oder die nur wenig später einge­spiel­­te Jubelka­n­tate von Albert Lortzing.Den gewichtig­sten Bonus ver­spielt diese Edi­tion lei­der, weil auf dem Titel der CD nur das sehr anständig musizierte Requiem in
c-Moll von Lui­gi Cheru­bi­ni ste­ht, aber nicht die zwei wesentlich bedeu­ten­deren Erstein­spielun­gen in Koop­er­a­tion mit der Inter­na­tionalen Cheru­bi­ni-Gesellschaft: ein Marche funèbre und ein Chant sur la mort de Joseph Haydn für Soli und Orch­ester (1805) nach der wis­senschaftlich-kri­tis­chen Edi­tion von Michael Pauser.Da zeigen sich Chan­cen und Lim­its. Bei dem die CD-Ein­spielung flankieren­den Konz­ert zum Jahrestag der Zer­störung Dres­dens in der Frauenkirche ließ man bei­de Trou­vaillen ein­fach aus. Die Auf­nah­men ver­rat­en den geübten Umgang des Klangkör­pers mit Beethoven und Mendelssohn in jedem Takt. Aber dieser Vorzug pegelt ger­ade bei Cheru­bi­ni etwas zu sehr in Rich­tung gesunde Rou­tine. Dabei ist in den ver­gan­genen Jahren für die Musik um 1800 nicht ger­ade wenig in Sachen his­torisch informierte Auf­führung­sprax­is geschehen.Der Kam­mer­chor der Frauenkirche zeigt sich betr­e­f­fend Into­na­tion und Dik­tion gut in Schuss, lässt aber, eben­so wie das Orch­ester, etwas an Pointierung und Span­nungswillen ver­mis­sen. Die Solis­ten erfüllen, was das Stimm­fach bet­rifft, alle Anforderun­gen, erhal­ten jedoch lei­der nicht die ihnen gebührende aufmerk­same Führung. Kor­rekt ein­studiert sind die A-cap­pel­la-Stellen im Chant und lah­men doch etwas von­seit­en des sen­si­bel agieren­den Frauenkirchenkan­tors Matthias Grün­ert, der sich bei den bre­it aus­ge­fahre­nen Tut­ti-Stellen weitaus wohler fühlt.So standen die per­son­ellen Ressourcen für diese Ein­stel­lung eigentlich unter einem guten Stern: Ein zwis­chen Barock und Mod­erne erfahren­er Chor, Solis­ten mit dem Poten­zial für die unter­schwellige Dra­matik dieser Musik und ein Orch­ester, das sich mit dem Blick aus der roman­tis­chen Zukun­ft dem doch nicht nur aus­laden­den Ges­tus Cheru­bi­nis nähert, waren ein let­ztlich nicht ver­wirk­licht­es Ver­sprechen. Vielle­icht aber eine Ver­heißung: Wann kommt nach Hans Som­mers so aus­geze­ich­net gelun­genem Rübezahl und Ent­deck­un­gen wie den hebräis­chen Kam­meropern von Josef Tal und Machail Gnesin endlich eine kom­plette Oper von Cheru­bi­ni im The­ater Altenburg-Gera? In diesem Ressort man­gelt es seit der kleinen Lodoïs­ka-Welle vor fast zwanzig Jahren an Ent­deck­ergeist und Neugi­er.
Roland H. Dip­pel