Ludwig van Beethoven

Symphony No. 9, Johannes Brahms: Nänie

Rachel Harnisch (Sopran), Ekaterina Semenchuk (Mezzosopran), Mauro Peter (Tenor), Hanno Müller-Brachmann (Bassbariton), Züricher Sing-Akademie, Luzerner Sinfonieorchester, Ltg. James Gaffigan; 2 CDs

Rubrik: CD
Verlag/Label: Sony Classical 88985458292
erschienen in: das Orchester 05/2019 , Seite 63

Mit Lud­wig van Beethovens Chor der Gefan­genen „Oh, welche Lust“ aus sein­er Oper Fide­lio und der Sym­phonie Nr. 9 vere­int die vor­liegende Ein­spielung gle­ich zwei Werke des Meis­ters, die aus lang­wieri­gen Entste­hung­sprozessen her­vorge­gan­gen sind.
Der Chor der Gefan­genen „Oh, welche Lust“ ist eine der bekan­ntesten Num­mern aus Beethovens einziger Oper. Sein berühren­der Auf­bau mit den zunächst zaghaft ein­set­zen­den und dann immer kraftvoller wer­den­den Stim­men als Sym­bol der erlangten Frei­heit gelingt den Inter­pre­ten der Zürich­er Sing-Akademie in beson­ders ansprechen­der Weise, sodass der Hör­er sich in diese Aura ger­adezu hinein­ver­set­zt fühlt. Der warme und gefüh­lvoll dosierte Klang des Orch­esters unter­stre­icht dabei die aus der Musik sprechen­den Emo­tio­nen der Freude und Dankbarkeit.
Eben­so beein­druck­end ist die Inter­pre­ta­tion von Johannes Brahms’ Nänie auf einen Text von Friedrich Schiller. Der Kom­pon­ist Brahms war der Chor­musik sehr zuge­tan – dementsprechend vielschichtig und anspruchsvoll erweist sich auch Nänie, wobei die Inter­pre­ten diese Hür­den müh­e­los meis­tern und den Hör­er mit einem far­ben- wie nuan­cen­re­ichen Klang belohnen.
Das High­light der Ein­spielung bildet aber zweifel­los Beethovens Sym­phonie Nr. 9. Obwohl die offizielle Arbeit an dem Werk sich auf etwa zwei Jahre ein­gren­zen lässt, ist die Neunte auf­grund des Rück­griffs auf eine Vielzahl von älterem Skizzen­ma­te­r­i­al das Ergeb­nis eines weit län­geren Rei­fung­sprozess­es. Das Per-aspera-ad-astra-Prinzip (durch Müh­sal zu den Ster­nen), welch­es ins­beson­dere mit der Fün­ften in Zusam­men­hang gebracht wird, kann man dur­chaus auch auf die Neunte über­tra­gen, wenn man die Dra­matik des Kopf­satzes dem Freuden­taumel aus dem Chor­fi­nale gegenüber­stellt – Let­zter­er unter­stützt durch den Griff zum Wort und damit durch Über­schre­itung ein­er magis­chen Gren­ze dama­liger ästhetis­ch­er Pos­tu­late. Tragisch mutet an, dass die Vol­len­dung des Werks bere­its in die Zeit der voll­ständi­gen Ertaubung des Meis­ters fiel, sodass Beethoven seine Neunte nie gehört hat.
Das Luzern­er Sin­fonieorch­ester unter James Gaffi­gan ver­mag sowohl die Tragik des Kopf­satzes, die bedächtige Intro­ver­sion aus dem Ada­gio-Satz als auch die über­schäu­mende Lebens­freude, die aus dem Chor­fi­nale spricht, zu ein­er Vol­lkom­men­heit zu führen, welche den Hör­er in ihren Bann zieht. Der Umgang mit dem Dual­is­mus an Affek­ten besticht dabei in beson­der­er Weise.
Nicht uner­wäh­nt bleiben soll die erstk­las­sige Qual­ität der Gesangssolis­ten, die durch einen trans­par­enten und zugle­ich volu­minösen Ton beein­druck­en. Ins­ge­samt ist diese zwei CDs umfassende Ein­spielung, die durch ein umfassendes Book­let abgerun­det wird, ein Genuss für jeden Musik­fre­und.

Bernd Wladi­ka