Achim Hofer/Ursula Kramer/ Udo Sirker (Hg.)

Lexikon der Holzblasinstrumente

Oboe, Klarinette, Saxophon und Fagott. Baugeschichte und Spielpraxis, Komponisten und ihre Werke, Interpreten

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Laaber
erschienen in: das Orchester 12/2018 , Seite 64

Auf knapp 900 Seiten reihen sich hier Artikel zu Oboe, Klarinette, Saxofon und Fagott aneinander. Ein schwergewichtiges und ehrgeiziges Werk, das „von Atemtechnik bis Zippelfagott“ alles Wissenswerte über die vier Instrumente erläutern will, ihre Handhabung, Bauweise, namhafte Interpreten, bekannte Kompositionen und Geschichte. Vom professionellen Musiker bis zum Musikliebhaber sollen alle Leser gleich gut bedient werden. Klarinettist und Komponist Jörg Widmann verspricht im Geleitwort gute und umfassende Information.
Tatsächlich bietet das etwas unhandliche Lexikon eine schier unüberschaubare Fülle an Informationen. Drei Herausgeber und mehr als 160 Autoren haben daran gearbeitet. Die Artikel sind kurz gehalten und gut lesbar, den allermeisten schließt sich eine Literaturliste an. Da hier vier Instrumente vertreten sind (die Flöte hat bereits vor einiger Zeit schon ein eigenes, umfangreiches Lexikon in diesem Verlag erhalten), ist es nicht erstaunlich, dass das Lexikon ein so gewichtiges Äußeres hat.
Alphabetisch sortiert stößt man beim Stöbern bald auf einen Artikel zur Akustik der Holzblasinstrumen­te. Der Physiker bekäme hier zu wenig Informationen, dem Bläser reichen sie zum Einlesen in das Thema Akustik aus. Bald schon folgt das Stichwort „Ansatz“: Oboist Christian Schneider und Herausgeber Udo Sirker definieren allgemeinverständlich, was ein Bläser meint, wenn er vom „Ansatz“ spricht und wie ein solcher im Prinzip funktioniert. Musikwissenschaftler und Instrumentenkenner Gunther Joppig hat einen Beitrag zur Geschichte des „Englischhorns“ beigesteuert, Orchestermusiker Manfred Hoth liefert den pragmatischen Ansatz: „Englischhorn in Oper und Sinfonik“. Die Herausgeber beleuchten also diverse Aspekte, nutzen die unterschiedlichen Positionen und Erfahrungen der Autoren. Nach einer Reise durch die Welt der Fagott-Schulen trifft man irgendwann auf die „Hautboisten-Banden“ des Dreißigjährigen Kriegs. Anekdoten findet man hier jedoch nicht, immer bleibt es faktisch, kurz, gut lesbar und belegt.
Selbstverständlich werden Oboe, Klarinette, Saxofon und Fagott in eigenen Artikeln genau vorgestellt, Bauweise, Geschichte und Besonderheiten erläutert. Die Nebeninstrumente finden ihren Platz ebenso wie Vorgänger. Wer wissen möchte, was ein „Liebesfuß“ ist oder warum das „Lupophon“ seinen animalischen Namen trägt, findet hier alle notwendigen Informationen.
Der umfangreiche Anhang listet einige namhafte Interpreten und Ensembles mit Kurzvita auf und hat in der Auswahlbibliografie sogar „Die Spieltechniken der Oboe“ von Peter Veale und Claus-Steffen Mahn­kopf, das Standardwerk für Oboisten in den Gefilden der Neuen Musik, nicht vergessen. Farbige Musikerporträts (Gemälde und Fotos), das Selbstbildnis Max Beckmanns mit Fagott, Fotos von alten Instrumenten und Werbung einiger Holzblasinstrumentenhändler folgen.
Fazit: ein gelungenes, kurzgefasstes Nachschlagewerk auf griffigem Papier in digitalen Zeiten, das in dieser Form noch nicht vorlag.
Heike Eickhoff