Argüelles, Julian

Let it be told

Frankfurt Radio Big Band featuring Django Bates und Steve Argüelles play the music of South Africa Exiles, hr-Bigband, Ltg. Julian Argüelles

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Basho Records SRCD 47-2
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 86

Let it be told, der Titel dieser Jazz-CD der Frank­furter hr-Big­band, ist am besten zu über­set­zen mit: „Dies wollen wir nun mal erzählen…“ Im Zen­trum ste­hen dabei Stücke, welche die Mit­glieder der südafrikanis­chen Gruppe Blue Notes nach ihrer Über­sied­lung 1964 in Europa im Reper­toire hat­ten. Mit ihrer Musik fan­den sie damals auch einzeln viel Beach­tung: der Trompeter Mon­gezi Feza (1945–1975), der Alt­sax­o­fon­ist Dudu Puk­wana (1938–1990), der Pianist Chris McGre­gor (1936–1990), der Kon­tra­bassist John­ny „Mbi­zo“ Dynani (1945–1986) und der Schlagzeuger Louis Moho­lo-Moho­lo, 1940 geboren. Moho­lo ist als Einziger noch am Leben und wohnt seit 2005 wieder in Südafrikas Metro­pole Kap­stadt. Mit ihrem Spiel begeis­terten sie zunächst in Eng­land, dann europaweit die Hör­er und übten starken Ein­fluss aus. Und sie trafen sich mit Vertretern der damals aktuellen Szene zu Jam Ses­sions, Konz­erten und Auf­nah­men.
Nicht von unge­fähr sind es denn auch jün­gere britis­che Musik­er von heute, die mit dieser CD der Blue Notes gedenken wollen: die Brüder Steve und Julian Argüelles an Schlagzeug sowie Per­cus­sion und Sax­o­fon (Let­zter­er auch Arrangeur) sowie Djan­go Bates an Klavier und Key­boards. Die Afrikan­er ori­en­tierten sich an afroamerikanis­chen Vor­bildern, von Char­lie Park­er und Dizzy Gille­spie bis Thelo­nious Monk und Ornette Cole­man, doch nicht in ein­er gle­ich­sam kopis­tis­chen Manier. Weniger der Blues der USA als die melodiösen Gesänge der südafrikanis­chen Tra­di­tion waren die Wurzeln ihrer Stücke. Und so kommt es, dass auch die große Sän­gerin Miri­am Make­ba mit ihrem Retreat Song am Reper­toire beteiligt ist. Außer­dem wird The Wed­ding, ein Stück des 1934 in Kap­stadt gebore­nen und hierzu­lande sehr bekan­nten Pianis­ten Abdul­lah Ibrahim (ursprünglich Dol­lar Brand), gespielt.
In der 18-köp­fi­gen Band kom­men eine ganze Rei­he von Solis­ten mit impro­visierten Cho­russen zum Zug. Bei Puk­wanas Mra Khali geht es gle­ich hinein in die typ­is­chen tänz­erischen Rhyth­men mit den rol­len­den Klavier­fig­uren des agilen Djan­go Bates und dem in allen Reg­is­tern kraftvollen Alt­sax­o­fon von Julian Argüelles. In Dya­nis Mama Marim­ba hat Tony Lakatos ein von John Coltrane inspiri­ertes Tenor­sax­o­fon-Solo; diese Free-Jazz-Ein­leitung erin­nert an Berührun­gen der Blue Notes mit den Europäern ihrer Zeit. Fezas You Ain’t Gonno Know Me begin­nt als bal­laden­haftes Stück mit der Klar­inette von Oliv­er Leicht. Amasi ist eine Kom­po­si­tion von Chris McGre­gor und wird auch in dessen Arrange­ment gespielt. Er hat es wahrschein­lich für seine 1969 gegrün­dete und noch heute als leg­endär gel­tende eigene Big­band Broth­er­hood of Breath geschrieben. Beson­ders schön run­det das lyrische, nur von Bläsern gespielte Folk­lorestück Amabutho die CD ab.
Gün­ter Buh­les