Terzakis, Dimitri

Les domaines du diable

Hymne an die Sünde für Bläserquintett, Partitur und STimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Gravis, Brühl 2014
erschienen in: das Orchester 04/2015 , Seite 75

Es ist sel­ten, dass ein zeit­genös­sis­ch­er Kom­pon­ist seine Stücke veröf­fentlichen kann, noch bevor sie erst­mals gespielt wer­den. Das 2013 ent­standene Bläserquin­tett von Dim­itri Terza­kis hat seine Urauf­führung noch nicht erlebt, liegt aber bere­its in ein­er Aus­gabe der Edi­tion Gravis vor. Das mag daran liegen, dass Dim­itri Terza­kis in der Neuen Musik beileibe kein Unbekan­nter ist. Obwohl der in Athen geborene, in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten aber vor allem in Deutsch­land tätige Kom­pon­ist vom Klavier­stück bis hin zur Oper viele Gat­tun­gen in seinem Werkkat­a­log vere­int, hal­ten sich die Auf­führungszahlen sein­er Werke in Gren­zen.
Erstaunlich ist dies um so mehr, als viele dieser Stücke eine sehr direk­te, unver­stellte Sprache sprechen und mit ihren von der griechisch-ortho­dox­en Kirchen­musik abgeleit­eten Struk­turen unmit­tel­bar zugänglich sind. Trotz der weni­gen Konz­erte, in denen Kom­po­si­tio­nen von Dim­itri Terza­kis erklin­gen, ist er im Musik­leben sehr präsent: Als Kom­po­si­tion­slehrer und ehe­ma­liger Pro­fes­sor, zulet­zt an der Hochschule für Musik und The­ater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, prägte er eine große Anzahl Kom­po­si­tion­sstu­den­ten. Zudem ist Terza­kis ein Muster­beispiel für einen Kom­pon­is­ten, der seine eigene, unver­wech­sel­bare Ton­sprache entwick­elt hat. Terza­kis, Schüler von Bernd Alois Zim­mer­mann, war seit Mitte der 1960er Jahre im Umfeld der Neuen Musik präsent. Obwohl sich seine extrem trans­par­ente musikalis­che For­men­sprache stark an die griechisch-ortho­doxe Kirchen­musik anlehnt, gleit­et sie den­noch nie in Folk­lore ab. Kennze­ichen dieses Per­son­al­stils find­en sich auch im vor­liegen­den Quin­tett für Flöte, Oboe, Klar­inette, Horn und Fagott. Während die son­st bei Terza­kis häu­fig anzutr­e­f­fend­en Mikroin­t­er­valle hier zwangsläu­fig keine Rolle spie­len, ist eines in diesem rund zehn­minüti­gen Kam­mer­musik­w­erk offen­sichtlich: die Dom­i­nanz der Melodie, bess­er des Melodiefrag­ments.
Lei­der find­en sich wed­er in den Noten noch auf der Web­site des Kom­pon­is­ten Hin­weise darauf, wie sich der Titel Les domaines du dia­ble und der Unter­ti­tel „Hymne an die Sünde“ auf die Musik der fünf Bläs­er beziehen. So bleibt allein die Musik: Das Werk präsen­tiert sich trotz zahlre­ich­er Tak­twech­sel sehr über­sichtlich in Struk­tur und Klang. Mal sind es par­al­lele Fig­u­ra­tio­nen der Stim­men, mal sparsam begleit­ete Sololin­ien, die den Noten­text prä­gen. Terza­kis betont zu jed­er Zeit die Hor­i­zon­tale, das (gemein­same) Fortschre­it­en der Stim­men, und weniger die Ver­tikale, den Zusam­men­klang der Blasin­stru­mente. Hat man auf dieser Grund­lage zu Beginn des Stücks noch den Ein­druck isoliert­er, etwas frag­men­tarisch anmu­ten­der Gesangslin­ien, so scheint sich doch im Ver­lauf – auch durch eine Verdich­tung der Stim­men – eine Art cho­risch­er Gesang zu entwick­eln, der in sein­er Steigerung vielle­icht als eine Art abstrahiert­er Hym­nus begrif­f­en wer­den kann.
Daniel Knödler