Charles Gounod

Le Tribut de Zamora

Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Ltg. Hervé Nique

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Palazetto Bru Zane
erschienen in: das Orchester 02/2019 , Seite 66

Und wieder eines von diesen geschmack­voll aus­ges­tat­teten Bänd­chen, mit denen das Cen­tre de musique roman­tique française nun schon seit Jahren den Markt der Musik­lit­er­atur bere­ichert. Stets sind es bib­lio­phile Kost­barkeit­en, die nicht zulet­zt mit ihrem deko­ra­tiv­en Ein­band punk­ten. Mal erin­nert die Gestal­tung an kost­bare Tapis­se­rien, mal, wie in diesem Fall, an die Orna­men­tik eines ori­en­tal­is­chen Palastes. In Zeit­en, da Visuelles eher scharf belichtet, wenn nicht krass in Szene geset­zt wird, wirkt das auf sym­pa­this­che Weise retro­haft.
Was dem Inhalt dur­chaus entspricht, han­delt es sich bei den Veröf­fentlichun­gen doch darum, längst vergessene Schätze wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rück­en. Im vor­liegen­den Fall geht es um die let­zte Oper von Charles Goun­od. Le Trib­ut de Zamo­ra wurde zwar sein Ver­mächt­nis, aber eher wider Willen. Nach den Mis­ser­fol­gen mit Cinq Mars und Polyeucte wollte der Alt­meis­ter, als „Haupt der franzö­sis­chen Schule“ gefeiert, noch ein­mal ein gewichtiges Zeichen set­zen, doch zum lan­gan­hal­tenden Tri­umph geri­et das Werk nicht. Zwar feierte es 1881 in Paris eine umjubelte Pre­miere, doch das überzeugte die Kri­tik nicht.
Die Ova­tio­nen seien wohl aus dem „Gefühl tiefen Respek­ts vor der Per­sön­lichkeit von Mon­sieur Goun­od“ zu erk­lären, schrieb Louis de Four­caud in Le Galois, und fügte hinzu: „Le Trib­ut de Zamo­ra ist, um es klar zu sagen, eine alt­modis­che Oper.“ Johannes Weber (in Le Temps) kon­nte Le Trib­ut auch etwas Pos­i­tives abgewin­nen: „Wenn Mon­sieur Goun­od Le Trib­ut de Zamo­ra in der Absicht geschrieben hat, jegliche Verbindung mit Wag­n­er zu leug­nen, so kon­nte er es nicht bess­er machen.“ Immer­hin war Goun­od also nicht dem grassieren­den Wag­ner­is­mus ver­fall­en. Dafür machte er nach Ansicht viel­er eine Rolle rück­wärts, zur Grand Opéra näm­lich. Für prunk­volle Deko­ra­tio­nen, pack­ende Chorszenen und plaka­tive Auftritte der Pro­tag­o­nis­ten bot die Geschichte um den spanis­chen Sol­dat­en Manoel und seine Ver­lobte Xaima reich­lich Gele­gen­heit. Xaima wird von Ben-Said, dem Botschafter des Kalifen in Cor­do­ba, als „Trib­ut“ ver­langt – schließlich hat­ten die Mau­ren die Spanier in der Schlacht von Zamo­ra besiegt.
Wie alle seine Vorgänger ist auch dieses Buch ein „Livre-Disque“, ein Buch, das neben kom­pe­ten­ten Beiträ­gen (zweis­prachig Französisch/Englisch) zum Werk und seinem Umfeld sowie dem zweis­prachi­gen Libret­to auch eine Ein­spielung auf zwei CDs enthält. Der Chor des Bay­erischen Rund­funks, das Münch­n­er Rund­funko­rch­ester sowie eine Riege namhafter Sänger real­isierten diese Auf­nahme im Rah­men ein­er konz­er­tan­ten Auf­führung im Münch­n­er Prinzre­gen­tenthe­ater im Jan­u­ar 2018.
Gérard Condé bricht im ersten Beitrag des Ban­des eine Lanze für das Stück. Gefüh­lvoll, charak­ter­stark und voller Inspi­ra­tion sei die Musik, die den Ver­gle­ich mit früheren Opern nicht zu scheuen brauche. Drei weit­ere Essays beleucht­en die Rezep­tion in der Presse, die Büh­ne­nausstat­tung und „Spanien“ als Phan­tas­magorie in zeit­genös­sis­chen Gemälden.
Math­ias Nofze