Thierry Pécou

La tierra con los dientes

pour violon, violoncelle et piano, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 05/2021 , Seite 78

La tier­ra con los dientes ist ein kam­mer­musikalis­ches Werk des 1965 gebore­nen franzö­sis­chen Kom­pon­is­ten Thier­ry Pécou.

Pécou, studiert­er und mehrfach aus­geze­ich­neter Pianist und Kom­pon­ist, ste­ht ohne Zweifel mit seinem kom­pos­i­torischen Schaf­fen für die Verbindung ver­schieden­ster Musikkul­turen und ‑stile. Ob nun die Musik nor­damerikanis­ch­er Native Amer­i­cans, des antiken Griechen­lands oder auch des alten Chi­nas, er ver­ste­ht es in seinen Kom­po­si­tio­nen, unter­schiedlich­ste Klang­far­ben und Nuan­cen geschickt miteinan­der zu verweben.

La tier­ra con los dientes ist eine Auf­tragskom­po­si­tion, die Pécou im Jahr 2017 für das Trio Arbós geschaf­fen hat und dem er als Titel einen Gedichtvers des spanis­chen Dichters und Frei­heit­skämpfers Miguel Hernán­dez voranstellte.

Das neun­minütige Stück ist für die Klavier­tri­obe­set­zung Vio­line, Cel­lo und Klavier geschrieben. Pécou, bekan­nt für seine klan­glich reizvollen Kom­po­si­tio­nen, bre­it­et auch in diesem Werk ein weitläu­figes Klang­far­ben­spek­trum aus. Dazu nutzt er die ver­schieden­sten Klan­gop­tio­nen und Spiel­tech­niken der drei Instru­mente, die bei den Stre­ich­ern von Pizzi­cati der recht­en wie linken Hand, über Flageolett‑, Col-leg­no- sowie Glis­san­do-Pas­sagen bis hin zu Anweisun­gen zur Aus­führung des Vibratos reichen.

Ergänzend treten hier ganz in der Manier des Fla­men­co Rhyth­muse­le­mente im Cel­lo, her­vorgerufen durch Fin­ger­per­cus­sion auf dem Griff­brett und Col-leg­no-Abschnitte, sowie im Klavier Tak­te mit der Anweisung hinzu, sie „wie Kastag­netten“ zu spie­len. Pécou merkt hierzu im Vor­wort an, dass seinem Werk die Fla­men­co-Ele­mente des Com­pás, der Soleá und die andalu­sis­che Tonart zugrunde liegen. Inner­halb dieser Stilele­mente ver­ste­ht es Pécou vortr­e­f­flich, die aufwüh­lende Gefühlswelt des Fla­men­cos zum Aus­druck zu brin­gen: Gle­ich­sam schmerzhafte Sekund- und Sep­tim­rei­bun­gen suchen nach Auflö­sung; rhyth­mis­ches Unisono zer­fliegt in treiberische, furiose Gegen­parts; weiche gesan­glich melan­cholis­che Lega­to­bö­gen ent­fal­ten sich auf vom Stac­ca­to zer­ris­se­nen Achteln; aufwärtsstrebende Sechzehn­tel­läufe wer­den von abwärtsstreben­den gejagt. Die atem­ber­auben­den dynamis­chen Wech­sel zwis­chen for­tis­si­mo und piano im Abstand von nur ein­er Achtel drück­en die inneren Kämpfe und den Zwies­palt aus. Zugle­ich erfordert dieser Reich­tum an Klang­far­ben und ‑nuan­cen, her­vorgerufen durch die vie­len unter­schiedlichen Spiel­tech­niken, ein sicheres, vir­tu­os­es Kön­nen, was den möglichen Musik­erkreis dieses Stücks ver­ständlicher­weise eher begrenzt.

So bleibt festzuhal­ten, dass Pécou mit La tier­ra con los dientes ein klan­glich faszinieren­des und fes­sel­ndes kam­mer­musikalis­ches Werk geschaf­fen hat, das den Zuhör­er mit­nimmt auf eine span­nende Reise in die musikalis­che Weite des Fla­men­cos. Für Musik­er, die auf der Suche nach neuen klan­glichen Wel­ten sind, kann für diese Noten eine klare Kaufempfehlung aus­ge­sprochen werden.

Gabriele Hirte