Werke von Emmanuel, Le Boucher, Koechlin und anderen

L’Amour Français

Eriko Takezawa (Klavier), Reinhold Friedrich (Trompete)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produktion ARS 38 541
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 67

Rein­hold Friedrich ist ein Musik­er der Extrak­lasse: Was auch immer er anfasst, ob als Pro­fes­sor, Solist, Kam­mer­musik­er oder Orch­estertrompeter – das Ergeb­nis ist stets bril­lant. Bei L’Amour Français wird er von Eriko Takeza­wa am Klavier begleit­et, die nach dem Album On The Road (2016) mit dem Trompeter Wim van Has­selt wieder ein­mal zweifels­frei unter Beweise stellt, nicht nur eine grandiose Klavier­be­glei­t­erin, son­dern eine gle­ich­berechtigte Kam­mer­musik­part­ner­in zu sein.
Die Auswahl der Werke bietet einen eben­so repräsen­ta­tiv­en wie attrak­tiv­en Quer­schnitt durch die Kam­mer­musik Frankre­ichs für Trompete und Klavier des 20. Jahrhun­derts. Das Duo Friedrich/Takezawa beschränkt sich aber nicht nur auf rein franzö­sis­che Kom­pon­is­ten, son­dern präsen­tiert eben­falls Werke, deren Urhe­ber sub­stanzielle kün­st­lerische Anre­gun­gen in Frankre­ich erhiel­ten und somit inhaltlich wie musikalisch dem franzö­sis­chen Stil nah­este­hen. Es find­en sich auf diesem Ton­träger mod­erne Klas­sik­er wie das Impromp­tu von Jacques Ibert, die Sonatine von Jean Françaix oder die Suite pour trompette et piano op. 133 von Flo­rent Schmitt, aber auch derzeit noch weniger bekan­nte, gle­ich­wohl sehr gehaltvolle Kom­po­si­tio­nen wie etwa die Trois pièces con­cer­tantes des Mes­si­aen-Schülers Mako­to Shi­no­hara.
Eben­falls auf der Zusam­men­stel­lung enthal­ten sind zwei Orig­i­nal­stücke für Cor­net à Pis­tons: Bei der Sonate op. 29 von Mau­rice Emmanuel gelingt es dem Duo, den Span­nungs­bo­gen über das gesamte Stück hin­weg aufrecht zu hal­ten und die vier kurzen Sätze zu ein­er musikalis­chen Ein­heit wer­den zu lassen. Im 1963 kom­ponierten teils geheimnisvoll-düsteren Con­certi­no op. 99 von Hen­ri Martel­li zeigen die Musik­er ein Höch­st­maß an expres­sion­is­tis­chem Gestal­tungswillen und mit Mako­to Shi­no­ha­ras Trois pièces con­cer­tantes sind es vor allem Friedrichs und Takeza­was dynamis­che Extreme und der Mut zu den schnellen Tem­pi, die ihre Inter­pre­ta­tion zu einem der beein­druck­enden Momente dieser CD wer­den lassen.
Ein­mal mehr beweist Rein­hold Friedrich seinen extrem wan­del­baren und far­ben­re­ichen Trompe­ten­klang, gepaart mit ein­er lupen­reinen tech­nis­chen Umset­zung. Glück­licher­weise stellt er jed­erzeit seine über­ra­gende musikalis­che Aus­führung sowie die Kam­mer­musik als solche in den Mit­telpunkt der Inter­pre­ta­tio­nen. Niemals gewin­nt man den Ein­druck, der Solist würde sein tech­nis­ches Kön­nen zu stark fokussieren. Eriko Takeza­wa führt selb­st tech­nisch hoch anspruchsvolle Pas­sagen mit größter Sou­veränität und Inten­sität aus. Spie­lend wech­selt sie zwis­chen den ihr von den Kom­pon­is­ten zugewiese­nen Rollen als Klavier­be­glei­t­erin und Solistin.
Das Book­let (auf Deutsch und Englisch) enthält neben kurzen biografis­chen Dat­en aller Kom­pon­is­ten knappe Werkbeschrei­bun­gen sowie Wis­senswertes über die bei­den Kam­mer­musik­er.
L’Amour Français ist eine CD, die man unbe­d­ingt gehört haben sollte: Ob als Trompeter oder Musik­er auf einem anderen Instru­ment – diese Ein­spielun­gen von Rein­hold Friedrich und Eriko Takeza­wa set­zen Maßstäbe, berühren und inspiri­eren!

Kristin Thiele­mann