Wolfgang Amadeus Mozart

Konzerte für Violine und Orchester in G-Dur KV 216 und A-Dur KV 219

So Jin Kim (Violine), Kurpfälzisches Kammerorchester

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produkion
erschienen in: das Orchester 06/2020 , Seite 67

Sie stampft nicht mit dem Fuß auf im Rhyth­mus des „türkischen“ Finales im A-Dur-Konz­erts von Mozart. Das ist eine Bemerkung wert, denn solche modis­chen Mätzchen mag sie offen­bar gar nicht, die kore­anis­chamerikanis­che Vio­lin­istin So Jin Kim. In New York und Han­nover aus­ge­bildet, wurde sie mit 24 Jahren Konz­ert­meis­terin des Luzern­er Sin­fonieorch­esters und blieb es bis 2013. Seit 2018 ist sie Stel­lvertre­tende Konz­ert­meis­terin des Münch­n­er Rund­funko­rch­esters. Ihr Herz schlägt aber auch für die Kam­mer­musik, und in Süd­ko­rea leit­et sie ein eigenes Musik­fes­ti­val. Ihr macht man nichts vor, schon gar keine Show-Effek­te. Diese vielfälti­gen Erfahrun­gen hört man ihrem Spiel an, das eben­so enthu­si­astisch ist, wie es tiefe Gelassen­heit bezeugt. Ger­ade bei Mozart, dessen Werke ja bekan­nter­maßen eine hohe Mess­lat­te für die musikalis­che Inter­pre­ta­tion darstellen. Er fordert einen reinen Ton plus eine intel­li­gente Gestal­tung – zwei kün­st­lerische Größen, die nicht naturgemäß zusam­menge­hen. Das erfordert Flex­i­bil­ität im Aus­druck, der genau­so kam­mer­musikalisch wie opern­haft sein muss. Ger­ade auch in Solokonz­erten. So Jin Kim ver­fügt über viele Tal­ente und legt zusam­men mit dem Kurpfälzis­chen Kam­merorch­ester (kko) eine CD mit den Vio­linkonz­erten G-Dur KV 216 und A-Dur KV 219 vor, in denen sie ihr stu­pen­des Kön­nen frei ent­fal­tet. Die oft gespiel­ten Werke benöti­gen eine gewisse Lebensweisheit, die ihren Reich­tum offen­legt, ohne der Gefahr zu erliegen, auf Teufel komm raus orig­inell zu sein. So Jin Kim zeigt ihre Meis­ter­schaft eben auch in der Zurück­hal­tung, mit der sie ihr Instru­ment sprechen lässt, ohne in klas­sis­che Mozart-Klis­chees oder übliche Musik­er­rou­tine zu ver­fall­en. Zusam­men mit dem japanis­chen Geiger Yasushi Ideue, Konz­ert­meis­ter der Phil­har­monie Baden-Baden und als Gast zu dieser Mannheimer CDPro­duk­tion hinzuge­laden, führt So Jin Kim das kko präzise durch die Par­ti­turen und weiß den langsamen Mit­tel­sätzen eine beson­ders innige Poe­sie mitzugeben, die nicht ins Kitschige abdriftet. Ihr Ton bleibt immer kernig, ihr Espres­si­vo wird nicht vul­gär, ihre Süße nicht abgeschmackt. Ihr Spiel zeugt vom „guten Geschmack“ ein­er umfassenden musikalis­chen Bil­dung (etwas, was schon der junge Mozart von seinem Vater als Basis des Musizierens über­nahm). So bleibt Mozarts Musik auf dieser CD genau­so kom­pakt wie fan­tasievoll, genau­so luftig wie drama­tisch – im Grunde also opern­haft. Das Kurpfälzis­che Kam­merorch­ester greift diesen Ges­tus auf und unter­stützt die Solistin wie eine Sän­gerin im The­ater: mit pro­fes­sioneller Non­cha­lance und wo nötig auch mit drama­tis­ch­er Zus­pitzung. Und das trifft den Ton dieser Werke sehr gut.
Matthias Roth