Johann Matthias Sperger

Konzert Nr. 8 in D (T8)

für Kontrabass und Orchester, Klavierauszug mit zwei Solostimmen (Original und Bearbeitung), hg. von Klaus Trumpf und Miloslav Gajdoš

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Ikuro Edition
erschienen in: das Orchester 05/2022 , Seite 63

Johann Matthias Sperg­er ist außer­halb der Kon­tra­bassis­ten-Szene wenig bekan­nt. Diese allerd­ings ken­nt Sperg­er nicht nur als anspruchsvollen Kom­pon­is­ten der Frühk­las­sik; auch durch die 2001 gegrün­dete Sperg­er-Gesellschaft mit Sitz in Lud­wigslust, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, die alle zwei Jahre in Zusam­me­nar­beit mit der Hochschule für Musik und The­ater Ros­tock einen Inter­na­tionalen Wet­tbe­werb für Kon­tra­bass, den Sperg­er-Wet­tbe­werb, auss­chreibt, ist Sperg­er in der Szene bekan­nt. Der Grün­der der Gesellschaft, Klaus Trumpf, Pro­fes­sor für Kon­tra­bass in München, tritt auch als Her­aus­ge­ber wichtiger Noten­texte für das Instru­ment hervor.
Sperg­er selb­st wurde 1750 in Niederöster­re­ich (heute Tschechien) geboren und in Wien zum Kon­tra­bassis­ten aus­ge­bildet. Er reiste viel, erhielt aber 1789 in Lud­wigslust eine Fes­tanstel­lung in der Fürstlichen Kapelle. 1812 starb er daselb­st. Er schrieb 44 Sin­fonien und zahlre­iche Solokonz­erte, darunter 18 für sein Instru­ment. Sie zeigen nicht nur sein stu­pen­des Kön­nen als Solist, son­dern auch die Verän­derun­gen, denen das Instru­ment während sein­er Leben­szeit unter­wor­fen war.
Das nun vor­liegende Konz­ert Nr. 8 (T8) beispiel­sweise ist geschrieben in Es-Dur – eine unbe­queme Tonart für ein in D ges­timmtes Instru­ment und ein Prob­lem, das der dama­lige Musik­er durch Sko­r­datur löste: Er stimmte sein Instru­ment einen Halbton höher. Allerd­ings wurde das Konz­ert für ein Wiener Instru­ment geschrieben, das wiederum mit zwei Sait­en im Terz­ab­stand ges­timmt wurde. Solist:innen mit heutiger Quart-Stim­mung stellt das vor nicht zu unter­schätzende Schwierigkeit­en. Denn so sind einige Dop­pel­griff­pas­sagen in mod­ern­er Stim­mung kaum zu bewältigen.
Eine heutige Note­naus­gabe der Solostimme bedarf also nicht weniger Ein­griffe, um sie für Instrumentalist:innen, die nicht in his­torischen Spiel­weisen trainiert sind, attrak­tiv zu machen. Der Klavier­stimme sind daher zwei Fas­sun­gen der Solostimme beige­fügt, eine in D‑Dur für Spiel­er der „Wiener Stim­mung“ und eine transponierte für die Stim­mung fis-h-e‑a. Hierin sind Dop­pel­griffe mit kleineren Noten angedeutet, Akko­rde wer­den mit Vorschlä­gen arpeggiert.
Während die Orch­ester­stim­men des in der Lan­des­bib­lio­thek Meck­len­burg-Vor­pom­mern liegen-den Auto­grafs in Dynamik und Artiku­la­tion offen­bar dif­feren­ziert notiert sind, lässt Sperg­er dem Soloin­stru­ment fast völ­lige Frei­heit. Die jet­zige Neuaus­gabe fol­gt dieser Vor­gabe, wobei die Vir­tu­osität der Solostimme „die gesamte App­likatur des Solokon­tra­bass­es über vierun­deine­halbe Oktave“ auss­chöpft. Dabei lässt sich „bis auf die […] ange­führten Dop­pel­griffe aus Klang­grün­den“ alles „ohne jegliche Änderun­gen“ auf das heutige Instru­ment „tonge­treu über­tra­gen“, so die Herausgeber.
Matthias Roth