Hertel, Johann Wilhelm

Konzert G-Dur

für Harfe (oder Cembalo), 2 Hörner, 2 Flöten, 2 Violinen, Viola und Violoncello

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg 2009
erschienen in: das Orchester 12/2010 , Seite 69

Johann Wilhelm Hertel wurde 1727 in Eisenach geboren, erhielt u.a. Violinunterricht bei Franz Benda und lernte bereits in seiner Jugend zahlreiche Größen des musikalischen und literarischen Lebens seiner Zeit kennen, wie etwa C.P.E. Bach, Graun, Fasch, Voltaire und Lessing. Schon mit 17 Jahren war er Mitglied der Hofkapelle von Mecklenburg-Strelitz, die er später auch leitete. Im Siebenjährigen Krieg zog er nach Stralsund, kehrte aber 1767 an den Mecklenburger Hof nach Schwerin zurück und blieb dort bis zu seinem Tod 1789 als Privatsekretär der Prinzessin Ulrike Sophie, für die er komponierte, arrangierte und musizierte.
Das hier vorliegende Konzert ist nicht datiert, doch kann man es qua Stilistik und auch Aufbau klar der Empfindsamkeit zuordnen; Verwandtschaft etwa mit Werken C.P.E. Bachs und anderen Komponisten der Berliner Schule ist deutlich wahrzunehmen.
Ebenso deutlich ist die eigentliche Zuschreibung dieses Werks an die Harfe; eine Aufführung auf dem Cembalo ist zwar durchaus möglich, doch weisen die vielen Akkordbrechungen und die langen einstimmigen Passagen wie auch die Tessitur der Solostimme diese eindeutig als für die Harfe geschrieben aus. An einigen Stellen des ersten Satzes hat Hertel jedoch ein eigenes System mit einer eigenen Fassung der Oberstimme im Fall einer Aufführung mit Cembalo beigefügt.
Das Stück besteht aus den drei Sätzen Allegro – Affettuoso – Allegro non troppo. Jeder der Sätze beginnt mit einer kleinen Ensembleeinleitung voll empfindsamer Terzenseligkeit, in der ein Thema vorgestellt wird, bevor das Soloinstrument dann mit virtuosen Akkordbrechungen, kleinen Läufen und sequenzartig wiederholten Motiven einsetzt, den Satz gelegentlich dann ganz solistisch, dazwischen nur von langen Liegetönen begleitet, aber auch immer wieder durch kleine Ensemblepassagen unterbrochen auftritt, bevor nach einer Kadenz (diejenige zum zweiten Satz ist im Vorwort dieser Ausgabe in der Version von Hertel abgedruckt) das Ensemble wieder übernimmt und zum gefälligen Ende führt.
Die motivisch-thematische Arbeit ist dabei eher unbedeutend zu nennen; der Reiz des Werks liegt – abgesehen von den durchaus virtuosen, wenn auch sicherlich nicht halsbrecherischen Solopassagen besonders der Außensätze – vor allem in seinem hübschen, eben gefälligen und sehr ansprechenden Charakter: Es scheint eher, als habe Hertel den Hörer mit diesem Stück unterhalten als intellektuell herausfordern wollen. Wie man das in der Empfindsamkeit ja nicht eben selten findet: Musik fürs Herz.
Reizvoll wirkt dabei neben den Harfen-Koloraturen auch der Wechsel der Klangfarben in den einzelnen Sätzen, von denen der erste den Harfenton mit den Hörnern kombiniert, der zweite mit den Flöten, der dritte wieder mit den Hörnern.
Dynamische Anweisungen und Verzierungen der Ausgabe sind laut Vorwort getreulich aus der originalen Vorlage übernommen und eröffnen einen schönen Einblick in die Ornamentationspraxis der Zeit.
Andrea Braun