Domenico Cimarosa

Konzert C‑Dur

für Solo-Oboe, 2 Hörner, 2 Violinen, Viola und Basso, hg. von Sandro Caldini, Klavierauszug

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Edition Walhall
erschienen in: das Orchester 7-8/2022 , Seite 64

Domeni­co Cimarosa (1749–1801) war ein­er der erfol­gre­ich­sten und frucht­barsten Opernkom­pon­is­ten sein­er Zeit. Der musikalisch hoch­begabte Sohn eines Stein­met­zes und ein­er Wäscherin durch­lebte alle Höhen und Tiefen eines Musik­er­lebens: In Neapel, Venedig, Rom, Peters­burg und Wien feierte er größte Erfolge. Doch wegen sein­er Unter­stützung der Repub­likan­er in Neapel musste er ins Gefäng­nis und wäre fast hin­gerichtet wor­den. Heute ist im Wesentlichen nur noch seine Oper Il mat­ri­mo­nio seg­re­to im Repertoire.
Umso mehr ist es ver­di­en­stvoll, dass die Edi­tion Wal­hall jet­zt sein Oboenkonz­ert in C‑Dur her­aus­bringt und so, neben den bere­its edierten Konz­erten, nun ein weit­eres musiziert wer­den kann. Die Her­aus­ge­ber, der Oboist San­dro Cal­di­ni und sein Brud­er, der Kom­pon­ist und Musik­wis­senschaftler Ful­vio Cal­di­ni, ent­deck­ten das Werk in der ital­ienis­chen Stadt Novara, im Civi­co Isti­tu­to Musi­cale Brera. Die Hand­schrift stammt von einem Kopis­ten und ist auf das Jahr 1781 datiert.
Obwohl ich kein Ken­ner von Cimarosa bin, erscheint mir die apodik­tis­che Aus­sage der Her­aus­ge­ber, es gebe „keinen Zweifel an der Authen­tiz­ität der Kom­po­si­tion“, etwas gewagt. Beim Ver­gle­ich mit den Satzan­fän­gen und des dabei zumeist zu beobach­t­en­den, viel detail­liert­er kom­ponierten Dialogs zwis­chen Tut­tiorch­ester und Solist, zum Beispiel in den Konz­erten c‑Moll, C‑Dur oder B‑Dur, wirkt das vor­liegende Konz­ert zumin­d­est im ersten Satz kon­ven­tionell. Die Herkun­ft dieser Kopie müsste sicher­lich noch genauer unter­sucht werden.
Dessen ungeachtet lohnt sich die Beschäf­ti­gung mit diesem Konz­ert, beson­ders für Oboist:innen, da es eine große Her­aus­forderung an die Tech­nik darstellt. So muss der Solist im ersten Satz Alle­gro schwierige Sechzehn­tel-Pas­sagen bewälti­gen, die sich dann noch zu Sechzehn­tel-Tri­olen steigern; im Andante muss er impro­visatorisch wirk­ende Zweiund­dreißig­s­tel-Verzierun­gen in die Melodie ein­bauen. Doch nicht nur die Spiel­tech­nik ist hier gefordert, son­dern auch die musikalis­che Gestal­tungs­fähigkeit. Das Andante sostenu­to gibt der Oboe die Gele­gen­heit zu wun­der­barem Bel­can­to. Eine am Opernge­sang ori­en­tierte Artiku­la­tion und Phrasierung kön­nen den inten­siv­en Aus­drucks­ge­halt dieser Musik zur Gel­tung brin­gen. Das abschließende Ron­do besticht durch seine Kont­raste zwis­chen Piano und Forte und die rhyth­mis­chen Sforzato-Akzente.
So ist diese Aus­gabe bestens geeignet für päd­a­gogis­che Zwecke, aber auch für das Konz­ert. Das Druck­bild ist klar und gut les­bar. Kleine Abstriche müssen allerd­ings hin­sichtlich der in der Aus­gabe enthal­te­nen Infor­ma­tio­nen gemacht wer­den. Es gibt keine Faksimile­seiten zu den einzel­nen Sätzen, um das ursprüngliche Noten­bild zu zeigen, auch keine Beschrei­bung des Auto­grafs, ins­beson­dere was Artiku­la­tion­sze­ichen und dynamis­che Angaben bet­rifft, ganz zu schweigen von Über­legun­gen zur Aufführungs­praxis mit der im aus­ge­hen­den 18. Jahrhun­dert gebräuch­lichen Oboe.
Franzpeter Messmer