Johann Stamitz

Konzert C-Dur für Violine und Orchester Nr. 2

hg. von Kuo-Hsiang Hung, Partitur/Ausgabe für Violine und Klavier, Klavierauszug und Stimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Ortus
erschienen in: das Orchester 1/2019 , Seite 64

Das im Vor­wort von Par­ti­tur und Klavier­auszug for­mulierte Plä­doy­er des Her­aus­ge­bers, man sollte den ins­ge­samt zwölf voll­ständig über­liefer­ten Vio­linkonz­erten von Johann Stamitz (1717–1757) doch mehr Aufmerk­samkeit schenken, ist nicht über­trieben. In der Tat ent­pup­pt sich das C-Dur-Konz­ert als eine Art Bindeglied zwis­chen den ital­ienis­chen Vio­linkonz­erten beispiel­sweise aus der Fed­er Giuseppe Tar­ti­nis oder Pietro Nar­di­nis und dem gegen Ende des 18. Jahrhun­derts auf­blühen­den Stil der franzö­sis­chen Schule um Kom­pon­is­ten wie Rodolphe Kreutzer und Pierre Rode.
Vor allem die anspruchsvollen Auf­gaben für die linke Hand bele­gen nach­drück­lich, dass Stamitz die Entwick­lung der Vio­lin­tech­nik ein ganzes Stück weit vor­angetrieben hat: So basieren weite Teile des ersten und let­zten Soloein­satzes im eröff­nen­den Alle­gro vivace aus melodis­chen Terzen- und Sextgän­gen, die anschließend von Arpeg­gien abgelöst oder – im Mit­tel­teil des Satzes – in Tri­olen­pas­sagen voller Sait­en­wech­sel über­führt wer­den. Das Ada­gio wiederum weist den Kom­pon­is­ten als Meis­ter ein­er auf feine Details bedacht­en kantablen Gestal­tung aus.
Dass man das Konz­ert auf­grund sein­er Beset­zung – neben dem Stre­i­chorch­ester sind auch jew­eils zwei Oboen und Hörn­er vorgeschrieben – wahrschein­lich eher zu den späten Werken des Kom­pon­is­ten zählen kann, ist allerd­ings nur die halbe Wahrheit, schließt das Stück doch mit einem Alle­gro, dessen for­maler wie spiel­tech­nis­ch­er Anspruch weit hin­ter die übri­gen Werk­teile zurück­fällt. Dies führt den Her­aus­ge­ber zu der nahe­liegen­den Ver­mu­tung, auf­grund der kon­ser­v­a­tiv­en zweit­eili­gen Anlage mit zwei jew­eils wieder­holten Satzteilen und sim­plem Orch­ester­satz han­dle es sich hier­bei möglicher­weise um die Bear­beitung eines Suit­en­satzes aus ein­er wesentlich früheren Kom­po­si­tion.
Auch wenn die Gesamtwirkung des Konz­erts auf­grund dieser Diskrepanz etwas uneben ist, hat der Her­aus­ge­ber doch sehr gute Arbeit geleis­tet: Seine Edi­tion, ent­standen auf der Grund­lage ein­er Kopis­ten­ab­schrift aus dem Staatlichen Gebi­et­sarchiv Tře­boň (Tschechis­che Repub­lik), zeich­net sich durch Sorgfalt aus, die Kor­rek­turen sind im Vor­wort der Par­ti­tur im Rah­men eines kurzen Kri­tis­chen Berichts aufge­lis­tet und sin­nvoll ergänzte Binde­bö­gen wur­den im Druck punk­tiert her­vorge­hoben.
Die Aus­gabe für Vio­line und Klavier, von Ekke­hard Krüger mit einem überzeu­gen­den Klavier­auszug aus­ges­tat­tet, erfordert allerd­ings einen ver­sierten Inter­pre­ten, da der Her­aus­ge­ber voll­ständig auf eine Ausze­ich­nung mit Fin­ger­sätzen und Bogen­strichen verzichtet und der Noten­text darüber hin­aus auch kein­er­lei Angaben zu Dynamik und Artiku­la­tion enthält, obgle­ich er generell genü­gend Raum für kun­stvolle Phrasierun­gen und gegebe­nen­falls auch Verzierun­gen bietet. Es ist daher ange­bracht, sich mit den Prinzip­i­en der zeit­genös­sis­chen Auf­führung­sprax­is auszuken­nen, um das Poten­zial des Werks voll auss­chöpfen zu kön­nen.
Ste­fan Drees