Vanhal, Johan Baptist

Kontrabasskonzert

Klavierauszug in C- und D-Dur von Christoph Sobanski, Kontrabassstimmen für Solo-, ORchester- und "Wiener Stimmung" mit Kadenzen, Fingersatz und Strichbezeichnungen von Tobias Glöckler, zusätzliche Kadenzen von Johannes Sperger, hg. von Tobias Glöckler

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle, München 2015
erschienen in: das Orchester 12/2016 , Seite 60

Johann Bap­tist Van­hals Kon­tra­basskonz­ert zählt zu den bekan­ntesten sein­er Gat­tung. Jed­er Stu­dent hat es auf dem Noten­pult liegen, ist es doch oft Prü­fungs- oder Pflicht­stück bei Wet­tbe­wer­ben oder Probe­spie­len. In Van­hals Leben­szeit von 1739 bis 1813 ent­standen mehrere heute noch bedeu­tende Werke der Kon­tra­basslit­er­atur, etwa von Joseph Haydn, Johann Sperg­er oder Carl Dit­ters von Dit­ters­dorf. Der Kon­tra­bass erfreute sich in Wien großer Beliebtheit,und bedenkt man die dama­lige Ver­wen­dung von Darm­sait­en und die oft hohe Lage viel­er Kom­po­si­tio­nen, so ver­weist dies auf vir­tu­os­es Kön­nen so manch­er Bassis­ten der Wiener Klas­sik. Für wen Van­hal sein Basskonz­ert geschrieben hat, ist nicht sich­er. Über­liefert ist nicht das Auto­graf, wohl aber eine Abschrift des Kom­pon­is­tenkol­le­gen und Kon­tra­bassvir­tu­osen Johann Sperg­er. Für ihn oder aber für Josef Kämpfer, einen weit­eren Wiener Kön­ner am Bass, mag das Konz­ert ent­standen sein.
Tobias Glöck­ler ist in sein­er Aus­gabe sehr umsichtig vorge­gan­gen. So sind in den Noten nicht nur die Ein­tra­gun­gen Sperg­ers ken­ntlich gemacht, son­dern auch zahlre­iche offene Fra­gen erläutert. Wenn Nota­tio­nen, Oktavierun­gen, Artiku­la­tio­nen, die sich in Sperg­ers Abschrift find­en, nicht ein­deutig zu inter­pretieren sind, so erfährt man dies eben­falls im Vor­wort. Fußnoten an zahlre­ichen Stellen geben weit­ere Hin­weise. Infor­ma­tio­nen zur heuti­gen Inter­pre­ta­tion damals zeit­typ­is­ch­er Nota­tion, etwa von Artiku­la­tion­sze­ichen, ste­hen eben­falls im Vor­wort und geben Impulse, sich ver­tiefend­er mit dem Werk auseinan­der zu set­zen.
Früher sind Werke klas­sis­ch­er Kon­tra­basslit­er­atur meist in Orch­ester- und Solostim­mung ver­legt wor­den. Inzwis­chen wird zunehmend auch für das tief­ste Stre­ichin­stru­ment his­torisch informiert gedacht. Zahlre­iche Bassis­ten beschäfti­gen sich mit der „Wiener Stim­mung“, für die viele Werke kom­poniert wur­den und die auf­grund zahlre­ich­er Fla­geo­lets eine völ­lig andere Klang­farbe im Spiel ermöglicht. Tobias Glöck­ler geht in sein­er Aus­gabe einen Kom­pro­miss ein, um möglichst vie­len Musik­ern das Spiel in „Wiener Stim­mung“ zu ermöglichen. Eine Solostimme ist als Griffno­ta­tion notiert, sodass das Konz­ert auch mit einem mod­er­nen, umges­timmten Instru­ment spiel­bar ist. Eine Über­sicht über Kon­tra­bassstim­mungen und Auf­führungsmöglichkeit­en ergibt in dieser Aus­gabe vier Vari­anten mit einem Klavier­auszug in D‑Dur und C‑Dur.
Der Druck ist über­sichtlich und es gibt gute Wen­demöglichkeit­en. Neben Kaden­zen von Tobias Glöck­ler selb­st, die im Noten­fluss gedruckt sind, find­en sich auch diejeni­gen von Johann Sperg­er im Anhang. Tat­säch­lich den Mut, his­torisch zu denken, hat­ten Her­aus­ge­ber und Ver­lag jedoch anscheinend nicht – näm­lich die Erar­beitung der Kaden­zen den Musik­ern selb­st zu über­lassen, wie es Jahrhun­derte lang üblich war.
Nina Polaschegg