Barbara Kramer/Frauke Ion

Konflikte klären ist Chefsache

Die vier Konfliktklärungskompetenzen erfolgreicher Führungskräfte

Rubrik: Buch
Verlag/Label: Gabal, Offenbach 2018
erschienen in: das Orchester 05/2019 , Seite 60

Wo Men­schen zusam­men arbeit­en, entste­hen Kon­flik­te. Ein­er Studie zufolge senken Kon­flik­te die Pro­duk­tiv­ität in Unternehmen um bis zu 25 Prozent. Die Frage ist, wie man im Arbeit­sall­t­ag damit umge­ht und wer für die Kon­flik­tk­lärung ver­ant­wortlich ist. Die Autorin­nen Bar­bara Kramer und Frauke Ion, bei­de in der Unternehmens­ber­atung und Kon­flik­tk­lärung tätig, sehen diese Ver­ant­wor­tung als Chef­sache an. Meist seien nicht Inter­esse­nun­ter­schiede oder Mei­n­ungsver­schieden­heit­en das Prob­lem, son­dern vielmehr die Art und Weise, wie im Betrieb damit umge­gan­gen wird. Wer Führungsver­ant­wor­tung hat, sollte Kon­flik­t­poten­ziale erken­nen und bere­its ent­standene Kon­flik­te bewälti­gen kön­nen.
Das Buch soll Führungskräften einen prak­tis­chen Hand­lungsleit­faden an die Hand geben. Die Autorin­nen sehen vier Kon­flik­tk­lärungskom­pe­ten­zen im Mit­telpunkt: 1. die Fähigkeit zur Selb­stre­flex­ion, 2. Empathie als Fähigkeit, die Gefüh­le ander­er zu ver­ste­hen, 3. Impulss­teuerung als Fähigkeit, den „inneren Autopi­loten“ zu stop­pen, und schließlich 4. die Metakom­mu­nika­tion als Fähigkeit, über Kon­flik­te sprechen zu kön­nen. Ver­schiedene Kon­flik­tarten wer­den erläutert, die vor allem als Beziehungskon­flik­te und Sachkon­flik­te auftreten. Es wer­den die vier Phasen  der  Tea­men­twick­lung erörtert, die unter­schiedliche Grup­pen­dy­namiken und daraus resul­tierende Kon­flik­te mit sich brin­gen.
Der Haupt­teil des Buchs ist nach den vier Kon­flik­tk­lärungskom­pe­ten­zen aufge­baut. Zunächst wird die Fähigkeit zur Selb­stre­flex­ion näher beschrieben. Mit vier Frage­bö­gen und einem auf ver­schiedene Type­n­muster aus­gerichteten Koor­di­natenkreuz wird es dem Leser ermöglicht, eigene, typbe­d­ingte Ver­hal­tens­muster her­auszuar­beit­en. Auf dieser Grund­lage soll dem Leser ermöglicht wer­den, den Kom­mu­nika­tion­sstil des Gesprächspart­ners zu erken­nen und sich darauf einzustellen. Typ­is­che Ver­hal­tens-präferen­zen wer­den eben­so erläutert wie wesentliche Lebens­mo­tive („Macht, Unab­hängigkeit, Neugi­er“ etc.) als Moti­va­tion­streiber beschrieben. Einzelne Kon­flik­te und mögliche Ver­hal­tensweisen der Führungskraft wer­den beispiel­haft erläutert. Im zweit­en Abschnitt geht es um die Empathie, vor allem um den richti­gen Umgang mit eige­nen und frem­den Gefühlen. Im drit­ten Abschnitt geben die Autorin­nen Hil­festel­lun­gen, wie man impul­sives Ver­hal­ten in den Griff bekommt.
Einen großen Raum nimmt der vierte Abschnitt zur Metakom­mu­nika­tion ein. Es geht darum, wie man Kon­flik­t­ge­spräche führt. Dabei wird unter­schieden, ob die Führungskraft selb­st an dem Kon­flikt beteiligt ist oder den Kon­flikt ander­er mod­eriert. Ange­sprochen wer­den die Sach- und Beziehungsebene sowie weit­ere Geset­zmäßigkeit­en der Kom­mu­nika­tion, mit denen vor allem eine Führungskraft pro­fes­sionell umge­hen sollte.
Das Buch ist mit seinen Check­lis­ten, Frage­bö­gen und Grafiken her­vor­ra­gend zum Selb­st­studi­um geeignet und kann nicht nur Führungskräften, son­dern auch „nor­malen“ Beschäftigten wärm­stens emp­fohlen wer­den.

Ger­ald Mertens