Hermann Goetz/Hans Huber

Klaviertrios

Trio Fontane

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica
erschienen in: das Orchester 07-08/2020 , Seite 75

Als musikalis­che Jahres­gaben veröf­fentlicht die Zen­tral­bib­lio­thek Zürich zum 2. Jan­u­ar, dem Bächtelistag, seit 2005 soge­nan­nte „Neu­jahrsstücke“: eine wieder aufgenommene Tra­di­tion, die bis ins 17. Jahrhun­dert zurück­re­icht. Die Neu­jahrsstücke sind heute Werke Schweiz­er Kom­pon­is­ten, deren Auto­grafe oder Abschriften im Archiv der Samm­lung der Musik­abteilung der Bib­lio­thek schlum­merten, einem der wichtig­sten Auf­be­wahrung­sorte schweiz­erisch­er Musikhand­schriften der ver­gan­genen 200 Jahre. Sie wer­den zu diesem Anlass aufge­führt und auf CD gepresst. In diesem Jahr leis­tet das Zürcher Trio Fontane die ver­di­en­stvolle Arbeit, je ein Trio der Brahms-Zeitgenossen Her­mann Goetz und Hans Huber ger­adezu mustergültig zu inter­pretieren und für eine Auf­nahme ins übliche Reper­toire zu empfehlen. Und beim Hören wun­dert man sich fort­ge­set­zt, dass man diese anmutige, ganz und gar nicht pro­fil­lose oder epig­o­nale, ja wahrlich orig­inelle Musik noch nie zu Ohr bekom­men hat. Begin­nen wir mit Hans Huber, dessen Klavier­trio in Es-Dur 1880 als sein Opus 20 auf die Welt kam, in Basel, der Wahlheimat des 1852 bei Solothurn gebore­nen Pianis­ten und Kom­pon­is­ten, der bis zu seinem Tod 1921 als wichtige Per­sön­lichkeit im Musik­leben der Gren­zs­tadt am Rhein galt. Der am Leipziger Kon­ser­va­to­ri­um Aus­ge­bildete wid­mete das kon­ser­v­a­tiv vier­sätzige Werk „seinen lieben Eltern“ und hat­te eini­gen Erfolg mit dem Stück, das aber als­bald in den Schubladen des Ver­lags Bre­itkopf & Här­tel ver­schwand. Der Klavier­satz ist ziem­lich anspruchsvoll, die Arbeit der bei­den Stre­ich­er voll dankbar­er Kan­tile­nen, warm, herzvoll im Ton, nicht ohne tech­nis­che Her­aus­forderun­gen. Das Finale „Sehr schnell“ ist furios. Von gän­zlich anderem Charak­ter, aber eben­falls im besten Sinne roman­tisch, präsen­tiert sich das Opus 1 von Her­mann Goetz, einem 1840 im ost­preußis­chen Königs­berg gebore­nen Musik­er, der früh an Tuberku­lose erkrank­te und in Win­terthur – in der Hoff­nung, das schweiz­erische Kli­ma wirke sich gün­stig auf den Ver­lauf sein­er Krankheit aus – daselb­st mit 23 an der Stadtkirche die Organ­is­ten­stelle annahm. Der seinem Men­tor Hans von Bülow gewid­mete Trio-Erstling ste­ht in g-Moll und birst ganz mitreißend von Schw­er­mut. Der Schmerz des Heimwehs war doch sehr bedeu­tend im Leben des jun­gen, damals 25-jähri­gen Mannes, der drei Jahres später heiratete, als freis­chaf­fend­er Pianist nach Zürich über­siedelte und dort bere­its 36-jährig ver­starb. Bei­de Eck­sätze des Trios begin­nen mit ein­er langsamen Ein­leitung, der „feurig“ und „sehr feurig“ betitelte Teile fol­gen. Der „sehr ruhig“ betitelte zweite Satz zeigt einen unge­mein kantablen Ton, der an Mendelssohn und Schu­mann erin­nern mag, das Scher­zo flat­tert spukhaft elfen­gle­ich daher. Bei­de Kom­po­si­tio­nen sind beim Trio Fontane, das seit sein­er Grün­dung 2002 aus Andrea Wies­li (Klavier), Noëlle Grüe­bler (Vio­line) und Jonas Kreien­bühl (Cel­lo) beste­ht, in besten Hän­den und Herzen. Schön, dass der­ar­tige Pro­jek­te möglich, auch in dieser hohen Qual­ität möglich sind.
Armin Kau­manns