Erich Wolfgang Korngold/Alexander Zemlinsky

Klaviertrios

Stefan Zweig Trio

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produktion ARS 38 264
erschienen in: das Orchester 04/2019 , Seite 75

Das 2012 in Wien gegründete Stefan Zweig Trio setzt sich aus drei international konzertierenden Interpreten zusammen: der bulgarischen Pianistin Sibila Konstantinova, dem japanischen Geiger Kei Shirai und dem französischen Cellisten Tristan Cornut.
Die im Mai 2018 im Kulturzentrum Immanuel in Wuppertal aufgenommene CD enthält zwei spätromantische Klaviertrios aus dem musikalischen Umfeld der Kulturmetropole Wien. In beiden hervorragend aufgenommenen Werken ist die Aura des großen Vorbilds Johannes Brahms spürbar und deutlich hörbar.
Alexander Zemlinskys dreisätziges d-Moll-Klaviertrio op. 3, ursprünglich ein Klarinettentrio, wurde ein Jahr vor Brahms’ Tod 1896 komponiert. Der großformatig angelegte erste Satz entfaltet nach einem dunkel getönten Beginn schwärmerische Gesangslinien, gewürzt mit den durch Brahms bekannten Konfliktrhythmen und der typischen Einfärbung der Mollsubdominante bei der Fortentwicklung des zweiten Themas.
Die dynamische Balance des Trios ist hervorragend, besonders bei der spannungsreichen Durchführung. Der zweite Satz enthält sehr schöne und stimmungsvolle Episoden. Das Finale wirkt mit seiner eingängigen, folkloristisch angehauchten Thematik fast wie ein Scherzo. Kei Shirai findet mit seinem teils dunkel gefärbten, ausdrucksvollen Violinspiel den genau passenden Klang, welcher sich ideal mit dem geschmeidigen Ton des Violoncellos von Tristan Cornut verbindet.
Erich Wolfgang Korngolds D-Dur-Klaviertrio von 1910 ist der Geniestreich eines damals in Wien schon gefeierten Wunderkinds. Das gut halbstündige, viersätzige Jugendwerk wurde von einem 13-Jährigen komponiert. Er war damals Kompositionsschüler von Zemlinsky, der ihn sehr förderte.
Schon der erste Satz in diesem Opus 1 besticht in seiner unbeschwerten und harmonisch unkonventionellen Art mit überraschenden Wendungen und er ist voller wienerischem Schwung. Ständig ist ein augenzwinkernder Humor spürbar, welcher, über die ein oder andere Unausgewogenheit des kompositorischen Satzbildes hinweg, manchmal schon in der rhythmischen Bewegung und der melodischen Gestik auf Richard Strauss verweist. Das Stefan Zweig Trio mit seiner souveränen und engagierten Interpretation, die auch elegante Portamenti nicht ausschließt, verleiht diesem Jugendwerk ein überaus überzeugendes Profil.
Pianistin Sibila Konstantinova gestaltet ihren Part mit einem gut ausbalancierten Klang, der auch im dichten Akkordsatz die Streicher nicht überdeckt. Ihr sensibles Klavierspiel ist dynamisch flexibel und zudem manchmal mit stilistisch passenden Rubati versehen.
Die beiden Tonmeister Martin Rust und Manfred Schumacher tragen mit ihrer gelungenen Abmischung wesentlich zum Gelingen dieser gut produzierten Aufnahme bei. Das zweisprachige, ansprechend gestaltete Booklet enthält kurze Informationen über die Werke und deren Entstehungskontext und zu den Interpreten.
Christoph J. Keller