Rudolf Mauersberger

Klaviertrio c‑Moll

RMW 448 für Violine, Violoncello und Klavier, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Merseburger, Kassel 2020
erschienen in: das Orchester 09/2021 , Seite 77

Wenn beim Durch­spie­len des ersten Satzes gle­ich mehr als 20 Fehler allein in der Klavier­stimme auf­fall­en, ist das schon irri­tierend. Und es ist in den fol­gen­den Sätzen nicht wesentlich bess­er: Zahlre­iche verkehrte oder fehlende Vorze­ichen, ver­tauschte Noten­schlüs­sel, vergessene Satzangaben und offenkundig falsche Noten sor­gen keines­falls dafür, dieser Note­naus­gabe in irgen­dein­er Form zu trauen. Als Beispiel seien die Tak­te 40 und 182 im let­zten Satz genan­nt. Beim ersten fehlen vier b‑Vorzeichen im Klavier, beim zweit­en noch einige mehr im Klavier und in den bei­den Streichern.
Eigentlich han­delt es sich um ein sehr ansprechen­des roman­tis­ches Klavier­trio, welch­es Rudolf Mauers­berg­er während sein­er Leipziger Stu­di­en­jahre als 25-Jähriger kom­ponierte. Es ist in einem frischen, melodisch ein­fall­sre­ichen und har­monisch teils kon­ven­tionellen, teils mit über­raschen­den Har­moniewech­seln verse­henen Stil kom­poniert. Im Früh­jahr 1914 ist es erst­ma­lig aufge­führt wor­den und noch im sel­ben Jahr wurde es mit dem Arthur-Nikisch-Kom­po­si­tion­spreis ausgezeichnet.
In ein­er Auf­führungslänge von knapp 30 Minuten ent­fal­ten sich vier charak­ter­lich unter­schiedliche Sätze. Der erste ist geprägt von einem dunkel gefärbten Ada­gio-Abschnitt und einem bewe­gungsin­ten­siv­en Presto im 9/8‑Takt, welch­es stark an eine Taran­tel­la erin­nert. Es fol­gt ein aus Beethoven’scher Rhyth­mik entwick­el­ter Trauer­marsch mit kurzem Trio. Auch das leicht­füßige Scher­zo ist im klas­sis­chen Form­sinn gehal­ten, mit ein­er ver­spiel­ten Musette als Trio. Der vir­tu­ose Schlusssatz ist vielfältig in der The­me­nan­lage und mit far­bigen Har­moniewech­seln. In dem Moment, wo das Alle­gro-vivace-Grundtem­po vom 4/4‑Takt in einen 12/8‑Takt überge­ht – das sind die let­zten 39 Tak­te des Werks –, wird zudem eine zyk­lis­che Verbindung zum Kopf­satz deutlich.
Die Note­naus­gabe ist mit einem ansprechen­den, gut gestal­teten Deck­blatt verse­hen. Nach einem infor­ma­tiv­en Vor­wort von Ger­hardt Uhle und kurzen biografis­chen Angaben zum Kom­pon­is­ten sind auf etwas mehr als zwei Seit­en die edi­torischen Entschei­dun­gen aufge­lis­tet. Diese wür­den sich bei ein­er drin­gend notwendi­gen Neuaus­gabe sich­er ver­dop­peln. Darin müssten dann die zahlre­ichen Fehler, Irrtümer und Ver­wech­slun­gen aus den 65 Seit­en Noten­text in der Klavier­par­ti­tur und in den Stim­men der bei­den Stre­ichin­stru­mente kor­rigiert sein.
Gedacht war die Her­aus­gabe des Klavier­trios anlässlich des diesjähri­gen 50. Todestags des Kom­pon­is­ten. Rudolf Mauers­berg­er war über vier Jahrzehnte Kreuzkan­tor in Dres­den. Viele sein­er Kom­po­si­tio­nen sind deswe­gen geistliche Chor­musik, vor allem für Knaben­chor. Bekan­nt ist sein Dres­d­ner Requiem. Kam­mer­musik kom­ponierte er son­st nicht, mit Aus­nahme eines frühen Stre­ichquar­tetts in fis-Moll. Sein Klavier­trio kön­nte, voraus­ge­set­zt es wird vom Merse­burg­er-Ver­lag noch ein­mal gründlich redigiert, eine Bere­icherung im Konz­ertreper­toire werden.
Christoph J. Keller