Dvorák, Antonín

Klavierquintett A‑Dur

op. 81, hg. von Antonín Cubr, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel 2013
erschienen in: das Orchester 03/2014 , Seite 72

Robert Schu­manns Klavierquin­tett in Es-Dur stellt so etwas wie den Pro­to­typen des Quin­tetts für Klavier und Stre­ichquar­tett dar. Ein ähn­lich wichtiges Werk in dieser damals musikgeschichtlich noch ver­gle­ich­sweise „jun­gen“ Beset­zung wurde zuvor nicht geschrieben, und auch später haben nur wenige Kom­pon­is­ten das Klavierquin­tett mit wirk­lich bedeu­ten­den Werken bedacht. Am fast über­mächti­gen Schumann’schen Vor­bild ori­en­tierte sich ganz offen­sichtlich auch Antonín Dvorák bei der Konzep­tion seines Opus 81 in A‑Dur. Und gemein­sam mit Robert Schu­mann prägt er damit bis heute die Bedeu­tung der Klavierquin­tet­tbe­set­zung im kam­mer­musikalis­chen Reper­toire. Daran haben am Ende auch Größen wie Gabriel Fau­ré, Camille Saint-Saëns oder Edward Elgar nichts geän­dert – trotz dur­chaus gewichtiger Beiträge zur genan­nten Gat­tung.
Wenig, um nicht zu sagen fast über­haupt nichts ist bekan­nt zum Entste­hen von Antonín Dvoráks A‑Dur-Klavierquin­tett. Man weiß, dass das Werk wohl im Spät­som­mer und Früh­herb­st des Jahres 1887 (nieder-)geschrieben wurde, allerd­ings ist wed­er klar, wie viel Zeit der Kom­pon­ist damit ver­bracht hat, noch, ob es dazu umfan­gre­ichere Vorar­beit­en gab. Einzig ein fün­fzehn Jahre früher ent­standenes, gle­ichbe­set­ztes Werk in der­sel­ben Tonart mag als äußer­er Anlass iden­ti­fiziert wer­den, um die Entste­hung des späteren Meis­ter­w­erks zu erk­lären.
Antonín Dvorák entwirft in den vier Sätzen seines Opus 81 eine unver­gle­ich­lich präg­nante Blau­pause eines klas­sis­chen Klavierquin­tetts. Die vier Stre­ich­er und das Klavier bilden dabei eine sonore orches­trale Ein­heit, die sich auf eine erfind­ungsre­iche Melodiebil­dung, eine aus­ge­wo­gene Bin­nen­bal­ance der Stim­men und eine wun­der­voll kon­trastre­iche Abschnitts­bil­dung stützen kann. Dvoráks For­mvol­len­dung wird dabei von den aus der Volksmusik entlehn­ten Beze­ich­nun­gen Dum­ka und Furi­ant der bei­den Mit­tel­sätze höch­stens ver­bal kaschiert. In Wirk­lichkeit ist in seinem A‑Dur-Klavierquin­tett kein­er­lei Volksmusik, dafür aber umso mehr hohe Kun­st in Klang und Struk­tur zu find­en.
An dem nun im Bären­re­it­er-Ver­lag erneut veröf­fentlicht­en Noten­text, der von Antonín Cubr im Rah­men ein­er 1957 enstande­nen Dvorák-Gesam­taus­gabe ver­ant­wortet und von David R. Bev­eridge behut­sam weit­er­be­treut wurde, ist wed­er in Hin­sicht auf das Druck­bild noch in Bezug auf die Detail­sorgfalt die ger­ing­ste Kri­tik ange­bracht. Die Klavier­stimme bzw. Par­ti­tur und die Stre­ich­er­stim­men erscheinen, einem musikalis­chen Meis­ter­w­erk angemessen, makel­los über­sichtlich und bein­hal­ten sowohl die (orig­i­nalen) Vor­trags­beze­ich­nun­gen aus dem Erst­druck von Sim­rock als auch die von Antonín Cubr ergänzten Details.
Daniel Knödler