„Idée fixe“ Vol. 2 Gabriel Fauré

Klavierquartett Nr. 1 c‑Moll op. 15 George Enescu / Klavierquartett Nr. 2 d‑Moll op. 30

Mariani Klavierquartett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: GWK Records GWK 146
erschienen in: das Orchester 09/2020 , Seite 94

Ein gemein­sames Konz­ert beim Fes­ti­val „Hag­nauer Klas­sik“ am Bodensee bildete den Anfang. Doch schon während ihres Studi­ums in Berlin hat­ten sich Philipp Bohnen (Vio­line) Bar­bara Bun­trock (Vio­la), Peter-Philipp Staemm­ler (Cel­lo) und Ger­hard Viel­haber (Klavier) auch kam­mer­musikalisch ken­nen­gel­ernt. Sie kon­nten auf Anhieb miteinan­der, beschlossen 2009 als Ensem­ble zusam­men­zubleiben. Größere Aufmerk­samkeit errang es beim Deutschen Musik­wet­tbe­werb. In Rund­funkstu­dios sind die „Mar­i­a­n­is“ gern gese­hene Gäste. Wie beim Radio Berlin-Bran­den­burg, der mit ihnen zwei CDs mit dem Titel Idée fixe pro­duziert hat. In bei­den Fällen han­delt es sich um Ein­spielun­gen von Klavierquar­tet­ten aus den Fed­ern von Gabriel Fau­ré und George Enes­cu. Warum ger­ade diese Kop­plung? Weil der eine (Enes­cu) Schüler des anderen (Fau­ré) war und bei­de – schöne Grüße vom dies­bezüglichen Ahn­her­rn Hec­tor Berlioz – dem Kom­po­si­tion­sstil ein­er Idée fixe huldigten.
Die kom­pos­i­torische Ver­wandtschaft ist sowohl in Fau­rés op. 15 als auch in Enes­cus op. 30, das er „dem Andenken an seinen Meis­ter Gabriel Fau­ré“ gewid­met hat, spür­bar. Wobei in bei­den Stück­en fast alle The­men der Sätze von jew­eils ein­er “Idée fixe” geprägt sind. Dynamis­che, agogis­che und artiku­la­torische Spielan­weisun­gen sollen Inter­pre­ten zu ein­er durchgängig lebendi­gen, viel­stim­mi­gen Klan­grede ani­mieren, die das Mar­i­ani Klavierquar­tett hin­reißend real­isiert. Und das Schön­ste beim Hören dieser klangtech­nisch her­vor­ra­gend aufgenomme­nen Sil­ber­scheibe: Mit seinem lei­den­schaftlichen, trans­par­enten, far­ben­re­ichen und faszinieren­den Zusam­men­spiel singt es nicht nur nach Herzenslust, son­dern dringt gefühlsin­ten­siv zum Herzen.
Entschlossen, aufrührerisch und melan­cholisch hebt das Fau­ré- Opus an, wobei sich die Stim­mungen gle­ich­sam in unzäh­li­gen dynamis­chen Wellen ergießen. Geis­ter­haft, kapriz­iös und voller ver­spiel­ter Fröh­lichkeit zeigt sich der Alle­gro­vi­vo- Satz. Med­i­ta­tive Trau­rigkeit gepaart mit gle­ich­sam trä­nen­re­ich­er Inten­sität, die sich schließlich in Klangschön­heit auflöst, bes­timmt das Ada­gio. Wie von großer Last befre­it, erklingt in bestechend aus­ge­wo­gen­er Stimm­führung das Alle­gro- molto-Finale. Musizieren mit Klarheit à la française und roman­tis­chem Raf­fine­ment – zum Niederknien.
Zum großen Hörvergnü­gen wird auch die Suche nach der Idée fixe im Enes­cu-Opus. In impres­sion­is­tis­ch­er Ruhe, roman­tis­ch­er Innigkeit und intro­vertiert­er Energie bre­it­et das Mar­i­ani-Ensem­ble die ersten bei­den Sätze des 1943 begonnenen Werkes aus. Sie gle­ichen ein­er Erin­nerung an den Frieden. Folk­loris­tis­che Ele­mente sind in die ganz eigene poly­fone Welt des rumänis­chen Kom­pon­is­ten einge­spon­nen und fix­iert. Dabei sind die einzel­nen Stim­men raf­finiert miteinan­der ver­woben – so als wirke die Musik wie impro­visiert. In allen denkbaren Kom­bi­na­tio­nen kehrt das motivis­che Mate­r­i­al der Idée fixe wieder.

Peter Buske