Johann Nepomuk Hummel

Klavierkonzert Nr. 2 op. 85 Carl Maria von Weber, Konzertstück in f‑Moll op. 79 Felix Mendelssohn Bartholdy, Capriccio brillant op. 22

Matthias Kirschnereit (Klavier), hr-Sinfonieorchester, Ltg. Michael Sanderling

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 12/2021 , Seite 74

Der renom­mierte Pianist Matthias Kirschnere­it und das Frank­furter hr-Sin­fonieorch­ester unter der ein­fühlsamen Leitung von Michael Sander­ling präsen­tieren auf ihrer neuen CD inter­es­sante Kom­po­si­tio­nen von Johann Nepo­muk Hum­mel, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy. Kirschnere­it betont, dass ihn die Tat­sache gelockt habe, dass diese sel­te­nen Juwe­len in ein­er Zeit ent­standen seien, die von einem Umbruch, ein­er Neuori­en­tierung gekennze­ich­net war. Es gebe so viel span­nende Musik, die in Vergessen­heit ger­at­en sei. Er habe deswe­gen eine neue Kom­bi­na­tion gesucht.
Das Album begin­nt mit dem a‑Moll-Klavierkonz­ert op. 85 des Mozart-Schülers Hum­mel, dessen Nähe zum drit­ten Beethoven-Konz­ert frap­pierend sei, fügt Kirschnere­it hinzu. Den Stil der roman­tis­chen Solis­tenkonz­erte vor­weg­nehmend, werde das Geschehen dann weit­ge­hend dem Klavier über­lassen – als habe Chopins erstes Klavierkonz­ert Pate ges­tanden: ein bel­can­toar­tiger, ele­gan­ter Stil herrscht vor.
Immer­hin hat sich kein Gerin­ger­er als Robert Schu­mann inten­siv mit diesem Konz­ert auseinan­derge­set­zt. Hum­mel sei ein Super­star sein­er Zeit und eine charis­ma­tis­che, großherzige Natur gewe­sen. All diese Aspek­te macht Kirschnere­it bei sein­er aus­ge­feil­ten Wieder­gabe in pack­ender Weise deut­lich, und das hr-Sin­fonieorch­ester ist ihm dabei ein ide­al­er Partner.
Auch Carl Maria von Webers hier zu hören­des Konz­ert­stück für Klavier und Orch­ester in f‑Moll op. 79 blitzt als Juwel leuchtkräftig her­vor, denn Matthias Kirschnere­it lotet die klangtech­nis­chen Facetten minu­tiös aus. Er hin­ter­fragt sen­si­bel diese Musik, betont ihre her­aus­ra­gen­den har­monis­chen Eigen­schaften. Freis­chütz-Rem­i­niszenen sind bei dieser aus­geze­ich­neten Inter­pre­ta­tion nicht zu über­hören. Agath­es Arien, die Wolf­ss­chlucht-Szenen oder jubel­nde Chöre fall­en auf. Die ein­lei­t­ende f‑Moll-Melodie gewin­nt dank Kirschnere­its aus­drucksvollem und elegis­chem Spiel immer mehr an Pro­fil. Rauschende Arpeg­gien unter­stre­ichen den lei­den­schaftlichen Stil. Und auch das Oktaven-Glis­san­do gipfelt bei Kirschnere­it in einem stür­mis­chen Passagenspiel.
Einen aus­geze­ich­neten Ein­druck hin­ter­lässt auf dieser bemerkenswerten CD zudem das Capric­cio bril­lant in h‑Moll op. 22 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dass Webers Konz­ert­stück hier Vor­bild war, ist klar erkennbar. Wie aus vie­len feingliedri­gen Motiv­en ein flink­f­in­griges Tanzstück entste­ht, macht Matthias Kirschnere­it in bril­lanter Weise deut­lich. Trotz der Rast­losigkeit des Musizier­stils gehen die ein­dringlich-bewe­gen­den Klang­mo­mente nie unter.