Louis Spohr

Klarinettenkonzert Nr. 2 Es-Dur op. 57

hg. Ullrich Scheideler, Klavierauszug von Christoph Sobanski

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel/Henle
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 62

Louis Spohr hat­te nur einen Inter­pre­ten, der die zu bewälti­gen­den tech­nis­chen Schwierigkeit­en seines zweit­en Klar­inet­tenkonz­erts op. 57 bewälti­gen kon­nte: den beim Fürsten von Son­der­shausen als Direk­tor der Har­moniemusik angestell­ten Johann Simon Hermst­edt. Diesem hat­te er bere­its sein erstes Konz­ert gewid­met und ihm 1809 die Kom­po­si­tion des zweit­en ver­sprochen. Es wurde 1810 beim Musik­fest in Franken­hausen in Thürin­gen, dessen Leitung Spohr über­nom­men hat­te, aus der Taufe gehoben.
In dem instruk­tiv­en Vor­wort der von dem Berlin­er Musik­wis­senschaftler Ull­rich Schei­del­er betreuten Urtext-Aus­gabe erfährt man, dass die Urauf­führung ein großer Erfolg war, nicht nur für den Solis­ten, son­dern auch für den Kom­pon­is­ten, da dieser dem Orch­ester­part einen gebühren­den Anteil am musikalis­chen Geschehen zuwies. Selb­st die Pauke spielt dabei im Schlusssatz „Ron­do alla Polac­ca“ motivisch eine Rolle – Beethovens Vio­linkonz­ert dürfte Spohr nicht unbekan­nt gewe­sen sein.
Da Hermst­edt einen „Exk­lu­sivver­trag“ mit Spohr hat­te, war eine Ver­bre­itung des Konz­erts im Druck erst möglich, nach­dem Spohr ein weit­eres Konz­ert geschrieben hat­te. Nach zehn Jahren ent­stand Nr. 3 und Nr. 2 gelangte erst in die Hände des Peters-Ver­lags, nach­dem Spohr, um eine größere Ver­bre­itung bei dem hohen Anspruch seines Werks zu ermöglichen, einige Vere­in­fachun­gen vorgenom­men hat­te. Er richtete beson­ders im 1. Satz zahlre­iche Ossia-Stellen ein.
Die Stim­men des Erst­drucks von 1822 sind alleine maßgebend für die Erstel­lung des Urtextes, da wed­er eine Stichvor­lage noch eine auto­grafe Par­ti­tur Spohrs existieren. Eine nicht exakt datier­bare Abschrift der Par­ti­tur mit Ein­tra­gun­gen und Nachträ­gen kann nur als Neben­quelle dienen, da sie erst im späten 19. Jahrhun­dert als Dirigier­par­ti­tur für Wiener Auf­führun­gen ent­standen sein kön­nte, wie der Her­aus­ge­ber ver­mutet. Darüber hin­aus gibt es online in der Petruc­ci Music Library eine Par­ti­tur, die von dem englis­chen Klar­inet­tis­ten Hen­ry Lazarus ca. 1833 ange­fer­tigt wor­den sein soll.* Hier find­en sich ergänzende dynamis­che Angaben.
Die Anmerkun­gen zur Edi­tion betr­e­f­fen über­wiegend die Bogenset­zung und Artiku­la­tion, die zumeist angeglichen wer­den. Dies fehlt aber im 1. Satz in der Klar­inette bei der Par­al­lel­stelle Takt 125–130 bzw. Takt 291–296, wo die Anbindung an die Tri­ole in Takt 125/126 fehlt. Kor­rigiert wer­den müsste der Rhyth­mus in Takt 295 Zäh­lzeit 3, da die Punk­tierung ana­log in Takt 128 vorhan­den ist. Im 3. Satz erscheint das Kopf­mo­tiv in Takt 234 unkom­men­tiert ohne Bogen. Hier wäre die Über­nahme der verän­derten Artiku­la­tion aus der 1. Vio­line (Takt 230) denkbar.
Der Klavier­auszug ist erfreulich über­sichtlich angelegt und enthält zahlre­iche Angaben zur Instru­men­tierung. Zu dieser Urtext-Kopro­duk­tion von Hen­le und Bre­itkopf & Här­tel ist auch das Orch­ester­ma­te­r­i­al und eine Stu­di­en- sowie Dirigier­par­ti­tur erhältlich.
Herib­ert Haase

* www.imslp.org/wiki/Clarinet_Concerto_No.2,_Op.57_(Spohr,_Louis)