Riem, Wilhelm Friedrich

Kindersinfonie

für 2 Flöten, Streicher und Kinderinstrumente, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Eres, Lilienthal 2015
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 75

Drei Dinge braucht eine Kinder­sin­fonie: Die richtige Länge (nicht zu lang), den richti­gen Schwierigkeits­grad (nicht zu schw­er) und die Ver­wen­dung von Kinderin­stru­menten (möglichst bunt und dur­chaus auch ein­mal etwas lauter). Würde heute ein Kom­pon­ist eine Kinder­sin­fonie schreiben, dürften ganz bes­timmt Fahrrad­klin­gel, Handy und Playsta­tion mit­spie­len. Zu Beginn des 19. Jahrhun­derts sah das Spielzeug mit Trompete, Trom­mel, Vogelpfeifen, Schnarre und Tri­an­gel allerd­ings etwas beschei­den­er aus, war deshalb aber auch leichter in ein kleines klas­sis­ches Orch­ester zu inte­gri­eren.
Wil­helm Friedrich Riem (1779–1857), in sein­er zweit­en Leben­shälfte als Domor­gan­ist eine zen­trale Gestalt des Bre­mer Musik­lebens, hat diesen Instru­menten in sein­er Kinder­sin­fonie einen wirkungsvollen Rah­men aus Stre­ich­ern und zwei Flöten geschaf­fen. Die bei­den Flöten- und Vio­lin­stim­men sowie der Bass übernehmen in den drei gut über­schaubaren Sätzen nicht nur den Haupt­teil der musikalis­chen Arbeit, sie sind ins­beson­dere in den Eck­sätzen eine leb­hafte klan­gliche Basis, auf der sich die Kinderin­stru­mente gut in Szene set­zen kön­nen. Und da der Noten­text dur­chaus Sub­stanz hat, ist diese Kinder­sin­fonie ein klein wenig mehr als nur ein Spek­takel, das den musikalis­chen Nach­wuchs eine Vier­tel­stunde lang beschäftigt und erfreut.
Riem, der in Leipzig seine musikalis­che Aus­bil­dung erhielt und später das bürg­er­liche Musik­leben der Hans­es­tadt Bre­men wesentlich mit entwick­elte, gab sein­er um 1820 niedergeschriebe­nen Kom­po­si­tion von Anfang an den Titel Kinder­sin­fonie. Das viel bekan­ntere, Leopold Mozart zugeschriebene und bere­its in der zweit­en Hälfte des 18. Jahrhun­derts ent­standene Werk für Kinderin­stru­mente und Orch­ester bekam diesen Titel erst mit der Erstaus­gabe 1813. Ob sich Riem daran ein Vor­bild nahm oder ganz eigen­ständig auf diese päd­a­gogisch unge­mein char­mante Idee kam, lässt sich heute wohl nicht mehr entschei­den.
Sich­er ist hinge­gen, dass eine Auf­führung allen Beteiligten viel Spaß bere­it­en wird. Einem Laienorch­ester aus (Musik-)Schülern wird außer­dem bei der Bewäl­ti­gung der Stre­icher­par­tien nicht lang­weilig wer­den – ins­beson­dere, wenn die Kinderin­stru­mente in den schnellen Sätzen einen entsprechend flot­ten Rhyth­mus vorgeben. Und soll­ten ger­ade ein­mal nicht genü­gend junge Musikan­ten zur Stelle sein, um Trom­mel, Tri­an­gel und Trompete zum Klin­gen zu brin­gen, so lässt sich mit den Stre­ich­ern und den bei­den Flöten auch ein ordentlich­er musikalis­ch­er Effekt erzie­len. Und selb­st als Stre­ichtrio wird man Wil­helm Friedrich Riems Kinder­sin­fonie noch mit Genuss hören kön­nen.
Daniel Knödler