Werke von Richard Strauss, Igor Strawinsky, Itaru Sakai und anderen

Kind of Gold

Matthias Höfs (Trompete) & Ensembles

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics 0301129BC
erschienen in: das Orchester 4/2019 , Seite 73

Sel­ten aufgenommene Werke und jün­gere Auf­tragskom­po­si­tio­nen ste­hen im Zen­trum des neuen Ton­trägers von Matthias Höfs. Der gefragte Solist, Kam­mer­musik­er und Hochschul­pro­fes­sor aus Ham­burg hat für dieses Pro­jekt über zwanzig junge Trompeter verpflichtet, die zu seinen aktuellen und ehe­ma­li­gen Stu­den­ten zählen und teil­weise bere­its Stellen in namhaften Orch­estern bek­lei­den.
Die CD eröffnet mit Richard Strauss’ Fest­musik für die Stadt Wien, die der Tondichter anlässlich der Ver­gabe des Beethoven­preis­es kom­ponierte. Diese mit 10000 Reichs­mark dotierte Ausze­ich­nung nahm Strauss im Dezem­ber 1942 von Bal­dur von Schirach ent­ge­gen und bedank­te sich beim Gemein­der­at der Stadt Wien mit der Fest­musik. Die Urauf­führung des über zwölf Minuten dauern­den Werks fand im April 1943 zur Feier des fün­ften Jahrestages von „Großdeutsch­land“ unter der Leitung des Kom­pon­is­ten statt.
Deut­lich kürz­er und klein­er beset­zt kom­men die bei­den Fan­faren von Igor Straw­in­sky daher. Jew­eils nicht ein­mal eine Minute lang sind Fan­fare for a New The­atre und Fan­fare for Three Trum­pets, welche der Aus­nahmesolist Matthias Höfs hier zusam­men mit André Schoch (Berlin­er Phil­har­moniker) und Bas­sam Mus­sad (Düs­sel­dor­fer Sym­phoniker) inter­pretiert.
Die faszinierende Sin­fo­nia and Caprice für acht Trompe­ten des Japan­ers Itaru Sakai (*1970) bildet zusam­men mit der Sokol-Fan­fare aus der Sin­foni­et­ta von Leoš Janá­ček das Zen­trum des Ton­trägers. Erst­ge­nan­ntes Werk ist nicht nur eine äußerst hörenswerte Kom­po­si­tion, son­dern auch höchst akku­rat und mit viel Liebe zum Detail von Höfs musiziert. Die Auf­nahme dieses Stücks mit sein­er Beset­zung aus neun Trompe­ten, zwei Basstrompe­ten, zwei Tenor­tuben und Pauken stammt aus dem Jahr 2009 und war qua­si Ideenge­ber für diese CD-Pro­duk­tion.
Als Hauptwerk hat Wolf Ker­schek (*1969) für diese Pro­duk­tion mit The Trum­pets Shall Sound ein wun­der­bar vielschichtiges und far­ben­re­ich­es Werk mit ein­er Dauer von über 25 Minuten erschaf­fen. Hier gesellen sich zum Solopart, der dem Solis­ten einiges an Kön­nen abver­langt, neun weit­ere Trompe­ten hinzu sowie das Orch­ester der Hochschule für Musik und The­ater Ham­burg unter der Leitung von Ulrich Wind­fuhr. Sehr plaka­tiv ste­hen sich die ver­schiede­nen Teile der Kom­po­si­tion gegenüber: Es gibt einen mar­tialisch anmu­ten­den Teil mit lyrisch-erzäh­len­den Melo­di­en, und auf ein mil­itärisches Inter­mez­zo fol­gt eine im besten Sinne an Hol­ly­wood-Block­buster erin­nernde Musik.
Der Ton­träger schließt mit Space Heroes (2018), welch­es eben­falls aus der Fed­er von Wolf Ker­schek stammt und wie The Trum­pets Shall Sound viele inter­es­sante Klang­facetten der Trompete demon­stri­ert.
Assozi­a­tio­nen an Star Wars sind hier laut Book­let (Deutsch und Englisch) aus­drück­lich erwün­scht!
Eine fabel­hafte CD mit gelun­genen Inter­pre­ta­tio­nen, die im Bere­ich Trompe­te­nensem­ble mit Musik des 20. und 21. Jahrhun­derts kaum zu über­bi­eten sein wird!
Kristin Thiele­mann