Kein Platz für Wagner

Burkhard Laugwitz im Gespräch mit Jonathan Livny, Vorsitzender der israelischen Wagner-Gesellschaft

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: das Orchester 04/2013 , Seite 36
Richard Wagners Werke öffentlich zu spielen, ist in Israel ein Tabu. Ein Tabu, das zehn Jahre älter als der Staat Israel ist und auf Ereignisse das Jahres 1938 zurückgeht. Da entschlossen sich nämlich der Gründer des „Palestine Orchestra“ Bronislaw Huberman und der Dirigent Arturo Toscanini angesichts der Ereignissen der sogenannten "Reichspogromnacht", das Programm eines geplanten Konzerts mit Werken von Richard Wagner zu ändern. Ihnen schien es damals nicht angebracht, Musik eines erklärten Antisemiten zu spielen, der auch noch zu den Lieblingskomponisten von Adolf Hitler zählte. Dieser Boykott ist heute in Israel noch wirksam. Daran haben auch die Versuche, namentlich von Zubin Mehta und Daniel Barenboim, nichts geändert. Mit der Gründung der israelischen Wagner-Gesellschaft – dem ersten Wagner-Verband des Landes – im Jahr 2011 geht das Für und Wider des Boykotts in eine neue Runde. Jonathan Livny ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der israelischen Wagner-Gesellschaft.