Hofmeir, Andreas Martin

Kein Aufwand

Schrecklich wahre Geschichten aus meinem Leben mit der Tuba

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: btb, München 2016
erschienen in: das Orchester 07-08/2016 , Seite 64

Die Mem­oiren eines 37-jähri­gen Tubis­ten? Das möchte man sich vielle­icht auf den ersten Blick ver­wun­dert fra­gen, wenn man Kein Aufwand in den Hän­den hält. Doch bere­its beim Durch­blät­tern wird klar, dass Andreas Mar­tin Hofmeir nicht unbe­d­ingt Kon­ven­tionelles à la „üben, üben, üben“ propagiert, son­dern seine beein­druck­ende Kar­riere, so urkomisch die Erzäh­lun­gen in diesem Buch auch klin­gen, viele andere Gründe hat.
Eher unge­plant, verse­hentlich und qua­si im Vor­beige­hen wird Hofmeir zum Echo-Klas­sik-Preisträger und Pro­fes­sor an der Uni­ver­sität Mozar­teum Salzburg. Seine Kult­band LaBrass­Ban­da war „Sieger der Herzen“ beim Euro­vi­sion Song Con­test und in den Top 10 der deutschen Charts. Der gefragte Solist und Kam­mer­musik­er wagt erfol­gre­ich Cross-over und Stilmix. Auch in Sachen kün­st­lerisch­er Vielfalt ist ihm nichts fremd: Ob Tuba-Har­fen-Duo, Lyrik oder Kabarett – was er auch anfasst, wird vom Pub­likum begeis­tert aufgenom­men.
Nach eini­gen ein­lei­t­en­den Kapiteln über die Tuba, bei denen sich zwar wahrschein­lich jed­er Musikgeschicht­spro­fes­sor die Haare raufen möchte, der Leser aber auf kurzweilige Art zum begeis­terten Halb­wis­senden gewor­den ist und nach mehr lechzt, fol­gen Anek­doten aus Hofmeirs Kind­heit, Jugend und der Bun­deswehrzeit.
Die Geschicht­en aus seinem Studi­um warten mit diversen Scherzen auf, die sich ein nor­maler Stu­dent nicht ein­mal zum 1. April oder nach über­mäßigem Alko­holkon­sum aus­denken kön­nte. Fern­er find­et sich hier eine Anleitung, wie man sich so lange vor dem hochschuleige­nen Kaf­feeau­to­mat­en mit DDR-Nos­tal­gie-Charme bei Kaf­feeim­i­tat und Wald­meis­ter­suppe entspan­nt, dass man das Probe­spiel für die Akademie der Berlin­er Phil­har­moniker gewin­nt und ganz dem Blech­bläserk­lis­chee entsprechend zwis­chen Hopfenkaltschale und kalo­rien­re­ich­er non-veg­an­er Nahrung gut gelaunt als Kabaret­tist auf Kleinkun­st­büh­nen, in ausverkauften Sälen und renom­mierten TV-Sendun­gen Tuba spie­lend und Witze reißend durch die Lande zieht.
Teils in etwas gewöh­nungs­bedürftiger Kun­st­sprache, aber nicht weniger sym­pa­thisch unverblümt und frech geschrieben sind die kleinen Gedichte im Abschnitt „Instru­mentenkunde“. Die einzel­nen Kapi­tel wer­den jew­eils mit tre­f­fend­en Illus­tra­tio­nen von Carl-Heinz Daxl ergänzt.
Hofmeir unter­hält sein Pub­likum nicht nur, er begeis­tert es für die Musik im All­ge­meinen und die Tuba im Beson­deren. Dieses Buch (auch als Hör­buch erhältlich) hat das Zeug zum Best­seller und garantiert einen Ein­blick in seine Welt beste­hend aus Musizier­freude, Leichtigkeit des Seins und dem gewis­sen Schalk im Nack­en. Lach­sal­ven garantiert.
Wenn Sie Andreas Mar­tin Hofmeir noch nicht ken­nen, dann ist Kein Aufwand die Gele­gen­heit für Sie, diesen einzi­gar­ti­gen Kün­stler zu erleben, bevor ihm die näch­sten ungewöhn­lichen Pro­jek­te ein­fall­en, die garantiert wieder zu Glanz und Glo­ria tau­gen. Und wenn Sie ihm in Ihrem Leben schon ein­mal über den Weg gelaufen sein soll­ten, ist dieses Buch eben­falls ein Muss für Sie – denn vielle­icht tauchen Sie unter Pseu­do­nym in seinen Zeilen auf.
Kristin Thiele­mann