Werke von Boismortier, Molique, Takács und Genzmer

Kammermusik für Querflöte und Violine

Katharina Fasoli-von Harten (Violine), Valerio Fasoli (Querflöte)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Thorofon CTH2626
erschienen in: das Orchester 02/2016 , Seite 75

Welch inter­es­san­ter, abwech­slungsre­ich­er Gang durch die Jahrhun­derte, den wir mit der vor­liegen­den Debüt-CD erleben dür­fen! Der Flötist Vale­rio Fasoli, Dozent an der Arts Acad­e­my im ital­ienis­chen Nar­nia, und Katha­ri­na Fasoli-von Harten, als Geigerin Solistin und Mit­glied mehrerer Ensem­bles, haben vor vier Jahren ein Duo gegrün­det und gruben mit­tler­weile wahre Schätze für ihre Beset­zung aus. Für alle hier gewählten Werke lässt sich eine aus­ge­wo­gene, har­monis­che Spiel­weise und Inter­pre­ta­tion bestäti­gen. Nichts ist hier unnötig gehet­zt, alles darf atmen, trotz­dem bleibt alles frisch und akzentuiert.
Die Lebens­freude und Exper­i­men­tier­freudigkeit des Barock­kom­pon­is­ten Joseph Bod­in de Bois­morti­er meint man hier (trotz Holz­quer­flöte, die ja schnell etwas schw­er­fäl­liger klingt als die met­al­lene) plas­tisch nachempfind­en zu kön­nen, so luftig und tänz­erisch agieren Flöte und Geige in aus­ge­wo­gen­er stimm­lich­er Abwech­slung. Das Klangspek­trum ist so reich, dass man mitunter eine Pic­coloflöte und eine Bratsche zu erken­nen meint. Der Mut zu leeren Sait­en der Vio­line in Kom­bi­na­tion mit dem Flöten­vi­bra­to schafft schöne, den­noch inten­sive Klarheit (e‑Moll-Sonate). In der drit­ten Sonata erfreuen per­lende Verzierun­gen und weiche Harmoniefundamente.
Das roman­tis­che Duo Con­cer­tant von Bern­hard Molique fordert in Dop­pel­grif­f­en und Mehrstim­migkeit, in Tem­pi und extremen Lagen­wech­seln, in seinen Wech­seln bei Tim­bre und Aus­druck, in seinen par­al­le­len Läufen ein an Pagani­ni erin­nern­des Höch­st­maß an Vir­tu­osität ab – gelun­gen! Bei­de Solis­ten beweisen sich eine sehr intel­li­gente Gestal­tungs­fähigkeit und ein hohes tech­nis­ches Niveau, das den einen oder anderen nicht ganz sauberen Akko­rd entschuldigt. (Selb­st David Ois­tra­ch sagte bekan­ntlich, dass Oktaven nie ganz rein sein soll­ten, weil man sie son­st nicht hören könne.) Mitreißend, dicht und rhyth­misch her­vor­ra­gend, immer die Bal­ance zwis­chen drän­gen­den Wurf­bö­gen und brem­senden Grundtö­nen wahrend, spie­len Fasoli und Fasoli-van Harten das 1962 ent­standene Diver­tisse­ment von Har­ald Genzmer. Beson­ders inter­es­sant dürfte auf dieser CD die Wel­ter­stein­spielung der Vari­a­tio­nen op. 107 von Jeno Takács sein, dem vor zehn Jahren ver­stor­be­nen öster­re­ichisch-ungarischen Kom­pon­is­ten. Mit der keck­en (Zauber-)Flöte des The­mas nach Gio­van­ni Paisiel­lo – ein Zeitgenosse Haydns – zaubert Fasoli dem Hör­er ein Lächeln ins Gesicht, die span­nungsvollen Echoef­fek­te (im furiosen Schluss-Fuga­to) lassen den Atem anhal­ten. Unendlich zart und fil­igran, agogisch wun­der­bar gestal­tet ist das Schu­bert gewid­mete Andan­ti­no – der vielle­icht schön­ste, da am innig­sten emp­fun­dene, am meis­ten zu Herzen gehende Satz dieser Ein­spielung. Der etwas hal­lige Klang der Wendlinger Euse­biuskirche, in der die Werke 2014 aufgenom­men wur­den, schadet der Durch­sichtigkeit bei­der Instru­mente nicht.
Car­o­la Kessler