Willi März

Kaleidoscope. Werke für Tuba

Siegfried Jung (Tuba), Nationaltheater-Orchester Mannheim, Ltg. Walter Hilgers

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics
erschienen in: das Orchester 12/2020 , Seite 72

So ganz klar ist das Konzept dieser CD nicht zu erken­nen. Man ist sich nicht sich­er, ob sich der Kom­pon­ist Willi März präsen­tiert oder der Tubist Siegfried Jung. Wenn es um die Werkschau eines Kom­pon­is­ten geht, wäre es span­nen­der gewe­sen, sich nicht auss­chließlich auf Werke für Tuba zu
beschränken.
Ist es eine weit­ere CD von Siegfried Jung, so hätte man auf das Diver­ti­men­to für Tuba, Harfe und Orch­ester und den von März arrang­ierten Rumänis­chen Tanz Nr. 2 von Ionel Dumitru (1915–1997) verzicht­en kön­nen. Bei­de Werke, bei denen er vom Nation­althe­ater-Orch­ester Mannheim unter der Leitung von Wal­ter Hilgers begleit­et wird, sind schon auf der CD Pae­sag­gio zu hören.
Trotz­dem, man hört sie gerne, weil Willi März sich zum einen als äußerst ern­stzunehmender und gle­ichzeit­ig gewitzter Kom­pon­ist präsen­tiert, zum anderen als großar­tiger Arrangeur. Im Gegen­satz zu vie­len zeit­genös­sis­chen Kol­le­gen scheut er sich nicht, melodiös oder auch in Rich­tung Film­musik zu schreiben. Man spürt, dass es ihm wichtig ist, sich mit allen musikalis­chen Bere­ichen zu beschäfti­gen und diese in seine Kom­po­si­tio­nen zu inte­gri­eren. Das ist gut, weil Offen­heit Neues zulässt. Viel­seit­igkeit ist generell ein Begriff, den man März zuschreiben kann.
Auf dieser CD schöpft er darüber hin­aus alle Möglichkeit­en aus, die die Tuba zu bieten hat, ohne dabei den Charak­ter des Instru­ments in Vergessen­heit ger­at­en zu lassen. Für die Welt der Tubis­ten sind seine Werke also bes­timmt ein großer Gewinn, schließlich ist das Reper­toire für dieses Instru­ment nach wie vor nicht allzu umfan­gre­ich.
Siegfried Jung liefert in diesem Zusam­men­hang eine her­vor­ra­gende Ref­eren­za­uf­nahme. Zweifel­sohne ist er ein her­vor­ra­gen­der Tubist, und da ihm die Werke auf den Leib geschrieben sind, kann er sein ganzes Kön­nen zeigen. Seine Vir­tu­osität ist dabei eben­so beein­druck­end wie die Fähigkeit gesan­glich zu spie­len, und das in allen Reg­is­tern des Instru­ments. Seine Beglei­t­erin­nen, Yasuko Kagen am Klavier und Johan­na Jung an der Harfe, kor­re­spondieren her­vor­ra­gend mit ihm, eben­so das Nation­althe­ater-Orch­ester Mannheim.
Während das Book­let die übliche Ansamm­lung von Biografien und Werkbeschrei­bun­gen enthält und damit sehr kon­ven­tionell gehal­ten ist, sticht das beson­ders gelun­gene Cov­er ins Auge, das den Titel Kalei­do­scope visuell wider­spiegelt. Die frischen Far­ben gemis­cht mit den geometrischen For­men sind so ansprechend, dass diese CD schon aus optis­chen Grün­den in einem CD-Regal ganz vorne ste­hen sollte. Darüber hin­aus wird die Viel­seit­igkeit des Kom­pon­is­ten wun­der­bar dargestellt. Willi März kom­poniert voller Far­ben, er ver­ste­ht es, Struk­tur mit musikalis­ch­er Kraft zu verbinden, schreibt abwech­slungsre­ich, kann instru­men­tieren und arrang­ieren. Es bleibt zu hof­fen, dass es weit­ere Veröf­fentlichun­gen sein­er musikalis­chen Arbeit gibt, auch abseits des Soloin­stru­ments Tuba.
Ulrich Haider