Roussel, Albert

Joueurs de flûte op. 27 für Flöte und Klavier

hg. von Marion Beyer, Fingersatz der Klavierstimme von Klaus Schilde

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle, München 2012
erschienen in: das Orchester 03/2013 , Seite 67

Die vier Charak­ter­stücke Joueurs de flûte von Albert Rous­sel (1869–1937) sind in den bei Durand erschiene­nen Einze­laus­gaben (Paris 1925) bis heute weit ver­bre­it­et. Die Quel­len­lage ist erfreulich unkom­pliziert, denn das Auto­graf aus dem Jahr 1924 und die Erstaus­gabe bei Durand sind fast deck­ungs­gle­ich. Die vor­liegende Neuaus­gabe bei Hen­le, die sich an Auto­graf und Erstaus­gabe ori­en­tiert, vere­int alle vier Stücke in einem Band, was nicht nur prak­tisch, son­dern auch preis­lich attrak­tiv ist.
Ein deutsch-englisch-franzö­sis­ches Vor­wort informiert knapp über Rous­sels Leben und Werk, skizziert die Entste­hungs­geschichte der Joueurs de flûte und erläutert sodann kurz die einzel­nen Stücke. Die titel­geben­den Flötengestal­ten aus Mytholo­gie bzw. Lit­er­atur – I Pan, II Tityre, III Krish­na, IV M. de la Péjaudie – ste­hen dabei im Zen­trum. Bis auf Rous­sels Fre­und Fleury, der die Stücke im Jan­u­ar 1925 urauf­führte und von dem ein inter­es­san­ter Tem­po-Hin­weis über­liefert ist, wer­den die anderen namhaften Wid­mungsträger (Moyse, Blan­quart, Gaubert) nur kurz erwäh­nt. Ein Glos­sar für die franzö­sis­chen Vor­trags­beze­ich­nun­gen wurde lei­der nicht angelegt.
Der Noten­text der Flöten­stimme entspricht im Großen und Ganzen dem der Erstaus­gabe. Neu sind Tak­tzahlen und eine größere Anzahl Stich­noten am Beginn von II, III und IV. Dafür fehlen – hier wie in der Klavier­stimme – über­wiegend die Dop­pel­striche bei Tak­tartwech­seln. Auch wurde einiges (unnötig?) vere­in­heitlicht: Lediglich tem­pobe­zo­gene Vor­trags­beze­ich­nun­gen wer­den groß, dynamis­che, agogis­che und andere Vor­gaben dage­gen klein­er, dünn und kur­siv gedruckt. Ins­ge­samt ist das Druck­bild jedoch gut les­bar.
Größere Abwe­ichung gibt es in der Klavier­stimme, die mit Fin­ger­sätzen verse­hen wurde. Ins­ge­samt sind es viel zu viele Fin­ger­sätze, die zudem nicht alle schlüs­sig sind. Einige sind über­flüs­sig (z.B. II, T. 29), andere unklar bzw. ver­wirrend (z.B. III, T. 56 l.H.) oder ungeschickt (z.B. IV, T. 25,1+ r.H.). Die ganze Par­ti­tur ist enger gedruckt, was nur bed­ingt überzeugt. Auch die neuen Blät­ter­stellen in II und III sind nicht gün­stiger. Generell ist das Druck­bild nicht immer stim­mig. So wer­den z.B. Sex­tolen-Klam­mern unein­heitlich ver­wen­det; gegenüber der Erstaus­gabe fehlt in I, Takt 12 f., l.H. ein dop­pel­ter Lega­to-Bogen, was zusam­men mit dem Fin­ger­satz eine falsche Artiku­la­tion nahelegt. Sog­ar in den kri­tis­chen Appa­rat haben sich Fehler eingeschlichen: Statt I, T. 46–47 ist T. 47–48 gemeint; die Decrescen­do-Gabel in IV, T. 18 sollte eine Crescen­do-Gabel sein. Schließlich bleibt eine Ungereimtheit im Klavier­satz unkom­men­tiert: In II, T. 9, drittes Achtel, kön­nte a” statt g” gemeint sein, denn bei allen zehn Themen­ex­po­si­tio­nen ist an der entsprechen­den Stelle ein Quintsprung.
Wer eine ein­bändi­ge Neuaus­gabe der Joueurs de flûte erwer­ben möchte, sollte auch die Aus­gaben bei Broek­mans (2008) oder Schott (2009) in Erwä­gung ziehen.

Andrea Welte